Wie kann
man den Besuch der Schnüffler von der Buchprüfung heil überstehen?
Der B.O.F.H. hat ein paar Ideen ....
Die Dinge stehen nicht gut. Die Geschäftsleitung will offenbar Blut
sehen. Bis jetzt
gab es zwar noch keine offiziellen Verlautbarungen, doch jeder im Haus weiß,
was
die Besuche der Buchprüfer zu bedeuten haben ...
Die Buchprüfer gehen nicht erst zu den Chefs, was bedeutet, daß sie schon
mit allen
notwendigen Informationen scharfgemacht wurden. Jemand von den hohen Tieren
hat
sie wohl auf mich angesetzt, wenn man das Gelächter der notorischen Ja-Sager,
die
sich meine Kollegen nennen, richtig deutet. Oder es geht um den PJ ...
Ich erinnere mich daran, daß ich alle Mitglieder der Geschäftsleitung bei
der
Mailingliste eines schäbigen Videoversands angemeldet habe, doch ich glaube
nicht,
daß ich mir dadurch diese Aufmerksamkeit ´verdient´ habe.
Die kleinkarierten Prüfer spielen ´Guter Bulle - böser Bulle´. Ein
staatlicher
Steuerprüfer wirkt verglichen mit ihnen wie Mutter Theresa.
Ich habe noch eine Minute, bis sie in meinem Büro eintraffen, also melde ich
mich
noch schnell beim Router der Geschäftsführung an und starte einen
Packet-Sniffer
zur Überwachung der Daten. Dann richte ich die automatische
Gesprächsaufzeichnung so ein, daß sie die Gespräche für ein paar zusätzliche
Telefonanschlüsse mitschneidet.
Ich bin gerade damit fertig, als sie kommen.
"Das ist eine Sicherheitszone", rufe ich laut und spiele den
schwerbeschäftigten
Arbeiter.
"Interne Buchprüfung", knurrt der böse Bulle.
"Haben sie einen Ausweis?" frage ich, um Zeit zu gewinnen, bis ich die
verräterischen Zeichen von meinem Monitor löschen kann.
Ihre Fotos sind ziemlich unscharf, doch unter dem Vergrößerungsglas kann ich
sie
identifizieren.
"Die scheinen in Ordnung zu sein. Wie kann ich ihnen helfen?"
"Wir sind hier, um ihre Ausrüstung zu prüfen und ins Inventarverzeichnis
aufzunehmen. Halten sie sich bereit bis wir mit der Prüfung fertig sind."
"Wie lange wird das dauern?" frage ich.
"Wenn wir fertig sind, dann sind wir fertig." sagt er böse Bulle.
Ausgezeichnet. Ich schreibe ihre Namen in das Besucherbuch und lasse sie
dann mit
meiner Kennung durch die Tür.
Sie laufen ein wenig herum, rufen sich Inventarnummern zu und machen dabei
komische Geräusche. Ich vertreibe mir die Zeit damit, daß ich die neuesten
Bänder
der automatische Gesprächsaufzeichnung anhöre. Es dauert nur ein paar
Minuten,
um dem Sekretärinnengeschwätz zu entnehmen, daß jemand in der
Erbsenzählerabteilung herausgefunden hat, daß einer unserer
Mikrowellenstrahler
auf das Zentrum der Erbsenzähleretage gerichtet ist und nicht in den Himmel.
Es ist
nicht so, daß wir den Strahler derzeit zum Senden nutzen würden ...
Andererseits
wäre es in bezug auf die psychsomatischen Kopfschmerzen und andere
Krankheiten,
die diese Strahlen vielleicht auslösen, die Mühe wert.
"In Ordnung", kommt der böse Bulle zu mir.
"Ihren Aufzeichnungen entnehme ich, daß sie im vergangenen Jahr als
angeblich
nicht mehr reparierbar drei Fernseher ausgemustert haben ...."
"Ah, Satellitenempfangs-Monitore", unterbreche ich ihn schnell. "Sehr
schlechte
Qualität, ja."
"Zwei Stereo-Videorecorder ..."
"Recorder für die Überwachungsanlage mit zwei Audio-Kanälen. Schlechte
Qualität."
"Einen Mikrowellenherd ...."
"Ein Testgerät für die Übertragung von Mikrowellen geringer Reichweite."
"Und 112 Videos."
"Aufzeichnungsmedien für die Überwachungskameras, stimmt."
"Gekauft im Megastore?"
"Zu einem guten Preis."
"Unbespieltes Material für 15 Pfund pro Kassette?"
"Qualität kostet ..."
"Warum sind dann die Titel der Kassetten aufgeführt?"
"Ein Fehler bei der Erstellung der Rechnung. Rufen sie sie doch an. Ich bin
sicher,
daß sie in den Aufzeichnungen des Megastores als Leerkassetten auftauchen.
Nun ..."
"Und sie haben sie ausgemustert?"
"Die Sicherheitsrichtlinien verpflichten uns, vertrauliche Aufzeichnungen
nach drei
Monaten zu vernichten ..."
"Nun, und was ist mit diesen vielfarbigen Indikator-Leuchten?"
"Wir benutzen sie hier überall ..."
"Ja, aber dabei könnte es sich um beinahe alles handeln. Selbst eine
Weihnachtsbaumbeleuchtung paßt zu dieser Rechnung."
Scharfsinnige Bastards, wirklich ...
"Ich bin sicher, daß alles in bester Ordnung ist", sagt der gute Bulle in
einem Tonfall,
der Vertrauen wecken soll. Zweifellos ist das die gleiche Art von Vertrauen,
die in
dem Satz: "Halte mir den Rücken frei, Brutus." steckt. Das kann nur eines
bedeuten ....
"Nur eine Sache noch", fragte der böse Bulle etwas freundlicher. "Sie
besitzen
WIRKLICH alle Ausmusterungsformulare, die von ihrem Abteilungsleiter und dem
Chef der Einkaufsabteilung unterschrieben wurden?"
Ups. Plötzlich stehen die Dinge für die Heimmannschaft gar nicht mehr so
gut.
"Denn wenn sie sie nicht haben, dann MÜSSEN sie persönlich für die Verluste
haften. Bei einem Buchwert von rund 5000 Pfund ..." sagt er und genießt
dabei
sichtlich jede Silbe.
"Natürlich habe ich die Formulare", lächle ich und deute auf den Stapel
Papier, den
ich für solche Situationen vorbereitet habe. "Irgendwo hier. Entschuldigen
sie bitte
die Unordnung."
Während sie sich durch den Papierstapel durcharbeiten, suche ich die
Autonummern
heraus, die zu ihren Namen gehören, und schicke dem PJ dann eine E-Mail mit
seinem Auftrag.
Eine Stunde später beschließen die Prüfer, daß der Arbeitstag vorbei ist und
ziehen
ab. Der PJ und ich machen es ihnen nach folgen ihnen, um Zeuge einer
´zufälligen´
Sicherheitsprüfung am Fahrzeugausgang zu werden. Der PJ und ich sind
schockiert
und sprachlos, als wir die Kofferraumladungen mit wertvoller
´ausgemusterter´
Technik sehen, die unsere ehemaligen Buchprüfer zusammen mit einem Stapel
Ausmusterungsformulare hinaustransportieren wollten. Die Formulare waren
leer bis
auf jeweils zwei verräterische Unterschriften.
"Also dahin verschwinden unsere Ausrüstungen!" platze ich heraus für den
Fall, daß
die Sicherheitsleute den Faden nach dem anonymen Anruf verloren haben
sollten.
Status Quo wiederhergestellt. Ich biete dem PJ an, ihn mit einem Bier für
den Krampf
in seiner Signierhand zu entschädigen.
Das Leben an der Spitze ist hart - glaubt niemandem, der etwas anderes
behauptet ...
Der B.O.F.H. hat Lust auf einen
harmlosen Schwindel. Doch wie wird man den
störenden Chef los? Kleinigkeit ...
Unser Chef ist tollwütig, könnte man sagen. Ich habe ihn nicht mehr so
verrückt
gesehen, seit der PJ und ich die Erbsenzähler davon überzeugt haben, daß
Windows
95 seit zwei Jahren obsolet ist und sie auf die diesjährige Version, nämlich
OS/2,
umsteigen müßten.
"Was zum Teufel ist in der Werbeabteilung passiert?" stößt er hervor. "Der
Abteilungsleiter hat mich angebrüllt. Er sagte, sie hätten eine Sekretärin
alle
Installationsdisketten löschen lassen und ihre Rechner mit Viren infiziert!"
"Sie machen Scherze", antworte ich und strahle tiefste Unschuld aus. "Ich
habe mit
niemandem in der PR-Abteilung geredet. Oder haben die mich etwa angerufen?"
"Nein, sie haben den Nutzer-Service angerufen, aber den Anruf haben sie
angenommen!"
"Das kann nicht sein - ich habe den gesamten Tag mit Arbeiten am Netzwerk
zugebracht." antworte ich. Unser automatischer Netzwerk-Betreuer dürfte für
ein
bequemes Alibi sorgen.
"Und was ist DAMIT?" ruft er und fuchtelt mit meiner Viren-Diskette herum.
"Das ist eine Diskette mit einem Virus", sage ich.
"Und warum haben sie sie mit ´VIRUS SCAN´ beschriftet?"
"Das war eine Erinnerungen für mich selbst, daß ich diese Diskette prüfen
muß. Ich
habe herausgefunden, daß sich tatsächlich ein Virus auf ihr befindet und sie
in den
Papierkorb geworfen. Aber offensichtlich hat jemand irrtümlicherweise
versucht sie
weiterzuverwenden."
"Der komplette Server in der PR-Abteilung ist nun infiziert, und sie müssen
den
Nutzern verbieten, ihn zu nutzen, damit sie ihre PCs nicht wieder neu
infizieren."
"Natürlich", sage ich. "Aber der PJ und ich können die Dinge wieder
richten."
Der PJ ist sichtlich verwundert über meine Bereitschaft, dem Plebs in der
Werbeabteilung zu helfen, doch das ist genau die Gelegenheit, auf die ich
gewartet
habe, um ihre Computer dazu zu nutzen, ein paar kleinere Veränderungen in
den
Jahresabschlußberichten vorzunehmen. Nur wenige Betrachter haben die
Reißzähne
und Geweihe, die ich den IT-Chefs verpaßt hatte, im vergangenen Jahr
bemerkt. Für
dieses Jahr muß ich wohl eine weniger subtile Bearbeitung der Druckversionen
vornehmen.
Die Sicherheitsvorkehrungen haben sie freilich verstärkt, als sie
feststellten, daß die
Zahlen der Firma nicht so aussahen, wie sie aussehen sollten - die Sorte von
Zahlen, die man den Aktieneigentümern lieber nicht zeigt. Auf der anderen
Seite hat
sich die Druckerei über den Extra-Auftrag gefreut, deren Bonus natürlich
auch die
Wohltätigkeitskasse des B.O.F.H. wieder schwarze Zahlen schreiben ließ.
"Gut", erklärt der Chef und unterbricht meine Gedanken. "Ich werde die
Aktion
natürlich persönlich überwachen - zur moralischen Stärkung und des
Zusammengehörigkeitsgefühls wegen ..."
Unglücklicherweise kann der Chef den Beitrag zur moralische Stärkung, den er
vor
einigen Tagen in der Cafeteria leistete, kaum mehr übertreffen. Er rutsche
damals auf
einem Fettfleck aus und plazierte sein Gesicht in einer vegetarischen
Lasagne. Doch
das ist nicht der Hauptgrund. Meine kreativen Gedanken werden einfach
gehemmt,
wenn der Chef mir ständig über die Schulter blickt.
Zeit für eine Strategie, mit der wir ihn loswerden ...
"Großer Gott!" rufe ich und trete gegen den Netzstecker des PCs des PJ.
"Dieser
Blitzableiter ist einfach lächerlich."
"Welcher Blitzableiter?" fragt der Chef.
"Sie wissen doch, die Kupferleitung, die diese Seite des Gebäudes mit der
Erde
verbindet. Wir haben sechs Wochen auf den Wartungsdienst gewartet, der sich
den
Blitzableiter über unserem Fenster auch nur anschaute."
"Aber wir haben doch mehrere Blitzableiter", antwortet der Chef, der
offenbar keine
Ahnung von den aktuellen Kupferpreisen hat (oder, um etwas genauer zu sein,
von
den Preisen vor sechs Wochen, als der PJ und ich etwas Geld brauchten).
"Nein, nur einen - eine ökonomische Einsparmaßnahme ihres Vorgängers", füge
ich
als passende Ausrede hinzu, die er auch nicht widerlegen kann.
"Oh? Dann werfen wir doch einen Blick darauf!"
Ich führe ihn zum Fenster und zeige auf den Blitzableiter.
"Wozu brauchen wir einen Wartungsdienst? Sie können doch ebenfalls
hinaufklettern
und das Ding in ein paar Augenblicken reparieren."
"Ich bin nur für das INNERE des Gebäudes zuständig ...." sage ich.
"Oh, zum Teufel damit - machen sie das verdammte Fenster auf!" schreit der
Chef
nun offensichtlich im Idioten-Modus.
Fünf Minuten später ist er in einer verletzlichen Position und damit auch
sehr
beschäftigt.
"Ich habe gar nicht gewußt, wie hoch wir wirklich sind ..." sagt der PJ
verträumt.
"Stimmt. Wenn sie aus dieser Höhe abstürzen, dann braucht man eine Schaufel,
um
sie in den Krankenwagen zu befördern." antworte ich.
Erwartungsgemäß blickt der Chef nach unten. Die plötzliche Blässe seines
Gesichts
und das Weiß seiner Knöchel zeigen an, daß er nun an seinem Platz gefangen
ist und
so schnell auch nirgends mehr hingehen wird.
Nachdem wir zwei Stunden in der Werbeabteilung mit dem ´Beseitigen´ von
Viren
zugebracht haben, sieht der Jahresbericht perfekt aus. Zumindest dann, wenn
man
den Werbe-Chef mit einer John Lennon-Brille und einem Dollarschein als Zunge
sowie zwei sehr konservative IT-Bosse, die Händchen halten, gern sieht.
Natürlich haben sich die Zahlen der Firma auch nicht verbessert - nun schon
in zwei
aufeinanderfolgenden Jahren.
Ich bleibe kurz stehen, um dem Chef zuzusehen, der in seiner neuen und
ziemlich
attraktiv aussehenden Zwangsjacke aus dem Haus begleitet wird. Der
Wachdienst
muß ´seine´ Notizen über Streß und Arbeitsüberlastung auf dem Fensterbrett
gefunden haben.
Das sieht nach einem neuen Spitzenwert moralischer Unterstützung aus ... Und
auch
der nette kleine Bonus von den Druckern sollte nicht vergessen werden.
Der Chef der Erbsenzähler hat einen
drittklassigen Plan ausgeheckt, um den
B.O.F.H. und seinen Gefährten auszutricksen. Wie konnte er nur ....
Es geschieht nicht oft, daß wir durch einen Besuch des Chefs der
Erbsenzähler
´geehrt´ werden.
In Wahrheit kam es bisher nur einmal vor, daß er den Frieden in den heiligen
Hallen
des B.O.F.H. störte, als er herausgefunden hatte, daß die
´satellitengestützte
Datentransfertechnologie´ anscheinend auf ein Buchmacherbüro gerichtet war
und
hauptsächlich Resultate von Pferderennen übetrug.
Ich spüre, daß er mir diesmal etwas zu sagen hat, das wichtig ist. Er sieht
aus, als
sei er wirklich sehr zufrieden mit sich selbst. Sein gutgenährtes Gesicht
zeigt einen
Ausdruck, der eine unheimliche Ähnlichkeit mit dem eines Wolfes hat, der ein
einsames Schaf beobachtet. Er richtet sich zu seiner vollen Größe von einem
Meter
sechzig auf und spricht mit freundlicher, aber merklich nervöser Stimme.
"Angesichts der Tatsache, daß ihre Vorstellungen von technischem Service
ziemlich
eigenwillig sind, um es vorsichtig auszudrücken, haben wir uns entschlossen,
uns
einen eigenen Server zuzulegen und einen eigenen Netzwerkbetreuer
einzustellen."
Er schweigt vornehm, damit mir die Schlußfolgerungen seiner Rede bewußt
werden.
"Kann ich das so auffassen, daß sie nicht zufrieden mit dem Service sind,
den mein
Assistent und ich ihnen bieten?" erwidere ich und deute auf den PJ.
"Er?" gluckst der Erbsenzähler. "Er ist nichts anderes als ein Psychopath."
Der PJ strahlt wegen dieses Kompliments. Die Anklage aus der höheren Etage
geht
weiter.
"Wir werden einen richtigen Netzwerkbetreuer einstellen, so daß wir sie
beide nie
mehr in die Nähe unseres Netzes lassen müssen. JEDER den wir finden ist
verglichen mit ihnen eine Verbesserung."
Schreckliche Worte, doch ich war sowieso gelangweilt.
Etwa eine Woche später wird uns das entsprechende Rundschreiben von einem
Briefträger der Erbsenzähler gebracht. (Es ist offensichtlich, daß die
vorangegangene Konfrontation mit uns den gesamten Mut des Chefs der
Erbsenzähler aufgebraucht hat.) Ab 9 Uhr sind wir nicht mehr für das
Netzwerk in
der Finanzabteilung zuständig.
Ich gebe die Notiz dem PJ und sehe die Angst in seinen Augen aufleuchten.
"Nun, da
wir nicht mehr für die Erbsenzähler zuständig sind, haben sie wohl ihre
eigenen
Router", sage ich und ziehe ein paar Stecker. Interessanterweise meldet das
kleine
Testgerät, das ich in ihre Kaffeemaschine eingebaut habe, daß sie noch immer
Daten
aus dem Netz bekommen ... hmmmm ... nicht schlecht, diese Typen.
Ich tippe schnell eine Nachricht und ziehe sie auf das Pager-Icon auf meinem
Desktop. Ein paar Sekunden später klingelt mein wirklich furchtbar privates
Handy.
Der PJ ist fasziniert und verängstigt; nur wichtige und mächtige Personen
kennen die
Nummer dieses Handys. Und wenn es klingelt, dann bedeutet das normalerweise,
daß wir wirklich in Gefahr sind. Der PJ hat das Handy noch nie in Aktion
gesehen,
deshalb beobachtet er es wirklich sehr ängstlich.
"Hallo? Ja, das ist richtig ... ja, ich meine ... nein, wir haben absolut
keine
Zugriffsrechte. Es wird vollständig vom neuen Netzwerk-Operator gepflegt.
Oh, sie
sind das, wirklich? Das ist schön ... ja, in Ordnung, Victoria-Station in
fünfzehn
Minuten."
Der PJ sieht verwirrt aus und wird noch mehr von dem Feueralarm verschreckt.
Ich
erkläre, daß der Alarm wohl etwas mit dem Rauch zu tun hat, der aus der
Erbsenzähler-Zentrale kommt, und er eilt nach draußen, um sich die Sache
anzuschauen. Der Groschen fällt, er kommt wieder zurück und will von mir
wissen,
woher ich wußte, daß etwas in der Erbsenzähler-Etage nicht stimmt, denn ich
konnte weder den Rauch noch die Feueralarmüberwachung sehen.
"Nun, sie erinnern sich an Martin?"
"Was, den Mann, dem sie mich einmal vorgestellt haben?"
"Ich habe sie so vielen Leuten vorgestellt ..."
"Okay, den mit dem Pferdeschwanz und der Fixierung auf Alkohol, dessen
Temperament und Verhalten den Nutzern gegenüber uns beide wie den heiligen
Franz von Assisi aussehen läßt?"
"Ja, das ist er."
"Von dem sie letzte Woche erzählt haben, daß er eine Arbeit sucht?"
"Hmmm ... nun, er war eher derjenige, dessen Name durch einen seltsamen
Zufall
ganz oben auf der Bewerberliste der Erbsenzähler stand." erkläre ich.
Ihm dämmert plötzlich, weshalb ich in der vergangenen Woche so viel Zeit mit
dem
Stöbern in der Personal-Datenbank verbracht habe - und weshalb ich so wild
darauf
war, dem netten Arbeitsvermittler ein paar freundliche Vorschläge zu machen.
Ein Gedanke kommt mir noch. "Halt, halt ... warten sie, bis sie den Router
sehen, den
die Erbsenzähler sich zugelegt haben. Das ist eines von diesen
zusammengeflickten
Dingern, wie man sie nicht gerade oft sehen kann. Ich verspreche ihnen, daß
die
Erbsenzähler noch viel Ärger mit dem Ding haben werden. Es gibt auf der
ganzen
Erde nur zwei Leute, die das Betriebssystem des Routers kennen, und das sind
die
zwei, die es geschrieben haben. Einer von ihnen sitzt vor ihnen."
"Und der andere?"
"... kennt die Nummer meines privaten Handys und ist nun auf dem Weg zum Pub
um
die Ecke. Kommen sie, ich habe ein paar Biere zu kaufen."
Jemand hat herausgefunden, wohin
die ´befreiten´ Telefone verschwinden. Es ist
höchste Zeit, ´B´ für Bastard zu wählen ....
Wir haben ein Problem. Der Chef hat sich vorgenommen, mit Geld, das viel
sinnvoller
für andere Dinge angelegt werden könnte, die Telefone in der Firma zu
standardisieren.
"Warum tut er das?" fragt der PJ
"Weil er irrtümlich glaubt, daß das irgendeine Auswirkung auf die Anzahl der
Telefone hat, die jedes Jahr ´befreit´ werden und dann bei den Angestellten
landen."
"Sie meinen, die Telefone werden GEKLAUT?!" fragt der PJ, der offenbar noch
glaubt, das Verbrechen mache einen Bogen um unsere Firma.
"Natürlich", rufe ich. "Das gehört einfach zur Arbeit im Büro dazu. Es war
auch
schon immer so. Im Tausch gegen ein neues Telefon bekommt die Firma
lebenslange
Loyalität und ein weiteres uraltes und riesiges Monster aus dem Jahr 200 vor
Christi
Geburt, was ganz nebenbei eine gute Rechtfertigung für all den Platz ist,
den wir im
Erdgeschoß für uns reserviert haben ...."
"Und das funktioniert wirklich?"
"Logisch. Denken sie sich eine Nummer aus. Irgendeine Nummer!"
Der PJ tippt eine Nummer und schaltet die Lautsprecher ein.
"Hallo, Entwurfsabteilung."
"Hallo, die Netzwerkbetreuung ist hier. Es scheint, als hätten wir ein
kleines
Problem mit ihrem Telefon mit der Seriennummer 138728."
Mein Monolog wird durch das Geräusch unterbrochen, das ein in Panik auf die
Gabel
gelegter Telefonhörer verursacht.
"Was ist passiert?" fragt der PJ.
"Ich würde sagen, jemand ist im Moment damit beschäftigt, die Treppen
hinunter und
nach Hause zu rasen, um ein Telefon zu holen. Merken sie sich, wie wirksam
die
Nennung einer Geräte-Seriennummer ist, um die Leute aus dem Gebäude zu
jagen ..."
Der PJ und ich beobachten, wie ein Angestellter aus dem Haupteingang rennt
und
über die Straße zur nächsten U-Bahn-Station hetzt. Dann rufe ich die Nummer
erneut an ...
"Hallo", meldet sich schroff eine Stimme im Gestörter-Chef-Modus.
"Pete", plaudere ich los. "Zum Glück erreiche ich dich noch. Grüße Sheryl
von mir,
wenn du sie siehst, du Verführer."
"WER IST DA?"
Ich lege schnell auf.
"Ich bin sicher, daß zumindest SEINE Abwesenheit nicht bemerkt werden
wird ... nun, lassen sie uns nach oben gehen und sein Schreibtischtelefon
klauen. Er
wird zu geschockt sein, um sein Firmentelefon wieder mit nach Hause zu
nehmen.
Bis zum Zahltag muß er wohl ohne Anrufe auskommen."
"Sie sind wirklich ein Bastard", gibt der PJ widerwillig zu.
"Natürlich. Und jetzt gehen wir zum Chef ..."
"... und wie soll das den Diebstahl verhindern?" frage ich den Chef, nachdem
ich mir
seinen Vorschlag angehört habe.
"Weil es sich um ein spezielles Modell handelt - mit einem schmalen Gehäuse
und
Digital-Display, das in DIESER Ausführung nur für DIESES Unternehmen
hergestellt wird. Und natürlich wird das Firmenlogo aufgedruckt sein."
"Nun, ich glaube, sie sind da ein wenig vom richtigen Weg abgekommen",
stellt der
PJ völlig richtig fest. "Wenn sie ein Telefon haben wollen, das niemand
klauen kann,
dann machen sie es 20 Pfund schwer und lassen es wie Schrott klingen."
Braver Junge.
Der Chef ist etwas verwirrt, denn er weiß, daß er seinen Vorschlag der
Geschäftsführung zur Genehmigung vorlegen muß. Und er will nicht, daß wir
seinen
Plan stören ...
Ich entscheide mich, ihn vorerst in Ruhe zu lassen.
"Nun, wir können nicht den ganzen Tag hier herumlungern. Das Netzwerk muß
gewartet werden und so weiter."
Sehr zu seiner Erleichterung marschieren wir aus seinem Büro.
"Ich glaube nicht, daß die Geschäftsführung seinen Plan genehmigen wird",
vermutet
der PJ, als wir unser Büro betreten.
"Verlassen sie sich lieber nicht darauf", antworte ich. "Kleben sie das
Firmenloge
auf irgendetwas und sie werden ihnen alles genehmigen - besonders dann, wenn
die
Konkurrenz noch nicht auf diese Idee gekommen ist ..."
Ich lasse den PJ allein und begebe mich in die Räume der Geschäftsführung,
um die
Präsentation unseres Chefs ´vorzubereiten´. Zum Termin der Präsentation
halten wir
uns in der Netzwerkzentrale auf, als ein Anruf des Chefs kommt.
"Warum funktioniert die Testleitung nicht?" knurrt er erwartungsgemäß.
"Keine Ahnung", sage ich. "Wir sind schon unterwegs."
"Sie müssen nicht ..."
Schnell wie ein Blitz sind der PJ und ich im Präsentationsraum.
"Na sowas", ruft der PJ, der seinen Text perfekt beherrscht. "Neue Telefone,
die
genauso aussehen wie die, die die Konkurrenz gerade eingeführt hat."
Alle Köpfe drehen sich herum, als unser Chef in die Rolle des Verlierers
schlüpft - er weiß genau, daß man niemals die Konkurrenz kopieren wird.
"Und da haben wir auch schon das Problem", sage ich und löse meinen Blick
vom
Testgerät. "Es ist das Anschlußkabel dieses Modells. Ich werde mir eine
entsprechende Notiz machen."
Ich hole meinen persönlichen Disorganiser hervor, den ich zu Beginn des
vergangenen Jahres bei einem Nutzer befreit hatte. Auf das Gehäuse habe ich
neulich ein Firmenlogo geklebt.
"Was ist das?" will einer aus der Geschäftsleitung wissen.
"Oh, nur ein Organiser. Ich habe das Firmenlogo aufgeklebt, damit er auf
Konferenzen nicht mehr so leicht verwechselt oder gar geklaut wird."
"Davon könnte ich auch einen gebrauchen." kommt die Antwort, auf die
zustimmendes Gemurmel folgt.
Unserem Chef dämmert, daß er nun endgültig verloren hat.
Wie geplant sitzen der PJ und ich zwei Stunden später im Pub um die Ecke, wo
wir
ein paar Biere trinken, die wir mit dem Geld bezahlen, das wir soeben als
Prämie für
unseren Vorschlag, ´Firmen-Organiser´ einzuführen, bekommen haben. Nun, wenn
es nicht so einfach wäre, könnte man es beinahe als Herausforderung
bezeichnen.
Der Chef kocht sein Süppchen in der
falschen Mikrowellenschüssel, so daß der
B.O.F.H. ihn wieder einmal ganz einfach ausmanövrieren kann ....
Der Chef ist auf dem Kriegspfad! Statt wie ein tapferer Mann seine
Niederlage bei
der jüngsten Firmentelefonaffäre einzugestehen, will er sich an uns rächen
und
versucht nun, uns das Leben zur Hölle zu machen.
Dabei zwingt er uns jeden einzelnen Sicherheitsstandard auf, den die
Menschheit
kennt. Hinzu kommt noch, daß er persönlich überprüft, wann wir zur Arbeit
kommen
und Feierabend machen. Und auch vom kreativen Erfinden von Abrechnungen,
womit
wir sonst den größten Teil unserer Arbeitszeit verbringen, hält er uns
dadurch ab.
Das ist nicht gut.
Nun, Angriff ist die beste Verteidigung.
Und natürlich dauert es auch nicht lange, bis der PJ und ich ins Büro des
Chefs
kommen sollen, weil wir vergessen haben, Warnschilder bei den geöffneten
Kabelschächten aufzustellen. Meine Befürchtungen bestätigen sich, als ich
den Chef
der Personalabteilung neben dem Chef sitzen sehe. Er war noch nie ein großer
Fan
von mir oder dem PJ - zumindest nicht mehr, seitdem wir uns im Rahmen von
Reparaturarbeiten an der Telefonanlage ein wirklich sehr privates
Telefongespräch,
das er mit seinem Arzt über ein sehr persönliches Problem führte, mithören
mußten.
Vielleicht hätten wir ihm nicht dafür danken sollen, nicht ´vorschnell´
gehandelt zu
haben ...
Der Chef beginnt seinen Angriff. "So sehr ich solche Sachen auch ablehne,
doch in
diesem Fall kann ich einfach kein Auge mehr zudrücken. Ich fürchte, ich muß
sie
beide nach diesem gefährlichen Sturz schriftlich und vor der Belegschaft
verwarnen."
sagt er.
"Den gefährlichen Sturz in drei oder vier Zoll Tiefe?"
"Was nichts daran ändert, daß es ein gefährlicher Sturz war", antwortet er
aufgehetzt vom Personalchef.
"Könnte ich einmal mit ihnen persönlich reden?" frage ich ganz um sein
Vertrauen
bemüht.
"Nein, das wird nicht nötig sein", antwortet der Chef.
"Oh, ich habe eigentlich nicht sie gemeint. Ich meinte den Repräsentanten
aus der
Personalabteilung. Denn da wir gerade über Sicherheitsrisiken reden, dachte
ich, der
PJ und ich könnten mit ihm über den billigen Mikrowellen-Sender reden."
Wie durch ein Wunder wandelt sich die Stimmung im Zimmer. Könnte es daran
liegen, daß der Chef sich daran erinnert, WER die besagte Sendeschüssel
empfohlen
und (gegen den ausdrücklichen Rat der Netzwerk-Techniker) bestellte?
"Vielleicht könnte ich ein oder zwei Minuten entbehren", sagt der Chef
schmallippig.
"Nun, es geht hauptsächlich um eine Vorsichtsmaßnahme, müssen sie wissen",
sage
ich, als wir unter vier Augen miteinander sprechen. "Da dies meine letzte
Verwarnung ist, kann ich nicht damit rechnen, daß mein Arbeitsvertrag noch
einmal
verlängert wird. Und deshalb muß ich natürlich jemanden finden, der sich um
diese
Sendeschüssel, die sie im vergangenen Jahr empfohlen haben, kümmert und alle
zwei
oder drei Wochen einmal auf das Dach klettert, um die Befestigungsschrauben
anzuziehen. Offenbar neigt sich die Schüssel immer mehr nach vorn, so daß
sie
irgendwann direkt auf das Dach strahlen wird. Wir hätten das alles nicht
herausgefunden, wenn sich nicht einer der Mitarbeiter im Büro direkt unter
dem Dach
darüber gewundert hätte, daß der Kaffee in seiner Tasse immer dann zu kochen
anfängt, wenn wir mehr als 20 Prozent der verfügbaren Bandbreite nutzen ..."
Der Chef ist, wie wir unter uns Fachleuten sagen, gefangen in einem Kanu
ohne
Paddel und rast auf den Wasserfall zu. Er versucht erfolglos, seine Angst zu
verbergen, die ihn überfällt, als ihm die möglichen Folgen für seine
Karriere bewußt
werden. Und, was noch wichtiger ist, wer für seinen Sturz verantwortlich
wäre ...
"Wer war doch gleich der Angestellte?" fragt er und simuliert leises
Interesse.
"Oh, sie kennen ihn!" antworte ich. "Wilson, Wilkins - etwa so klang sein
Name. Sie
wissen doch, der Kerl, der immer wegen Kopfschmerzen und ähnlichem
Krimskrams
fehlt."
Der Wasserfall kommt immer näher. Er WEISS, daß wir eine unterschriebene
Kopie
seines Schreibens (natürlich zusammen mit unserer Antwort) sicher an einem
feuersicheren Ort hinterlegt haben, zu dem er erst dann Zugang erhält, wenn
der
Teufel Frostschutzmittel und Wolldecken bestellt.
52 Sekunden später sind wir wieder im Büro ...
"Nun, damit ist die Sache dann hoffentlich erledigt", sagt der Chef sehr zum
Ärger
des Personalchefs. "Es hat den Anschein, daß die Warnschilder aufgestellt
WAREN. Ja, ich glaube, ich habe sie sogar selbst gesehen! Nun, sollten sie
sich
nicht besser an die Arbeit machen und die Reparatur abschließen ..."
"Wir sind schon unterwegs", stimme ich zu. "OH! Das hätte ich doch beinahe
vergessen. Hier sind noch die Stundenabrechnungen, die sie vorhin nicht
unterschreiben wollten! Ah! Ich sehe schon, warum sie sie beanstandet haben!
Der
PJ und ich konnten die ... ähm ... dringenden Wartungsarbeiten nicht in
unserer
regulären Arbeitszeit beenden, deshalb haben wir sie ja in zwei
Sonntagnächten
gemacht. Ich werde das Formular ausfüllen, so daß sie gleich unterschreiben
können."
Der Personalchef verschwindet mit einem Fluch, von dem ich ganz sicher weiß,
daß
er von der Unternehmensleitung nicht gebilligt wird, und der Chef
unterzeichnet die
Überstundenabrechnung über eine Summe, die vermutlich dem
Bruttosozialprodukt
eines kleinen kommunistischen Staates entspricht.
Der Sieg und die Bezahlung der Überstunden gehören uns, deshalb zeige ich
guten
Willen und überlasse dem Chef eines der Back-Ups, die wir außerhalb der
Firma
lagern.
"Was war das?" fragt der PJ.
"Oh, ich habe dem Chef nur sein Memo über die Anschaffung der Sendeschüssel
zurückgegeben."
"Sind sie sicher, daß das eine gute Idee war? Er wird das Back-Up einfach
zerstören."
"Das ist vermutlich das beste", antworte ich. "Nach allem, was geschehen
ist, war
das die einzige Aufzeichnung über die Schüssel, die noch existierte. Und
ohne
Aufzeichnungen ...."
"Ich rufe den Schrotthändler an."
Verkatert und gezwungen, die
Nutzer-Betreuung zu übernehmen - wäre er nicht der
B.O.F.H., wäre es ein schlimmer Tag ...
Es ist ein schwerer Tag in der Netzwerkzentrale und ich habe einen Kater,
der selbst
die tapfersten Superhelden zum Heulen gebracht hätte.
Ich weiß nicht mehr genau, wie ich nach Hause kam, aber ich glaube, daß eine
sehr,
sehr lange Taxifahrt und die Kreditkarte von irgendjemandem dabei eine Rolle
gespielt haben ...
Nachdem wir den gestrigen Tag auf der Computer-Messe am anderen Ende der
Stadt mit dem ´Ködern´ von Lieferanten zubrachten, war es einfach
unvermeidlich,
daß wir danach mit einigen dieser speichelleckenden Verkaufsmanager in den
Nachtclubs landeten, um jeden Drink auszuprobieren, den es gibt. Der Erste,
der
zusammenbricht, hat verloren - das Geschäft, die Initiative und seine
Firmenkreditkarte, wenn er nicht hinschaut.
Wegen meines Gesundheitszustandes habe ich beinahe vergessen, daß wir dem
Chef mitgeteilt haben, daß der PJ und ich natürlich gern die Vertretung in
der
Nutzer-Betreuung übernehmen, während sie bei einem Arbeitsschutz-Seminar
lernen, wie man ein ganzes Wort eintippt, ohne gleich an RSI (Repetitive
Strain
Injury - Tastaturkrankheit), oder wie man das heute auch nennt, zu sterben.
Der
Chef ahnte zwar, daß wir etwas im Schilde führen, doch hat er natürlich
nicht den
Mut, uns mit seiner Anwesenheit zu ´erfreuen´. Und ihm fehlt wohl auch das
geistige
Auffassungsvermögen um herauszufinden, worum es uns geht. Aber das ist ja
keine
Überraschung.
Nun, soll er bei dem RSI-Seminar zusammen mit all den anderen Halbtoten sich
doch
darüber wundern, daß die Gesundheits- und Arbeitsschutzvorschriften der
Firma
zwar vorschreiben, daß alle Mitarbeiter daran teilnehmen müssen. Sein
Protest, er
hätte schon an diesem Seminar teilgenommen, verpuffte aber wirkungslos, denn
in
der Personaldatenbank war weder ein entsprechender Eintrag vorhanden (Ups!),
noch besitzt er die
´Sie-kommen-aus-dem-Gefängnis-frei´-RSI-Kurs-Teilnahmekarte.
Der PJ und ich haben andererseits schon verschiedene dieser Zertifikate und
entsprechende Einträge in der Datenbank, obwohl wir noch immer keine Ahnung
davon haben, wie der Seminarleiter aussieht oder worum es bei diesen
Veranstaltungen eigentlich geht.
Im Bewußtsein seiner Niederlage zieht der Chef leise und unauffällig davon.
In der Zwischenzeit habe ich im Benutzer-Service die Rauchmelder wieder
angeschlossen, nachdem ein kleines Feuerchen das Zertifikat des Chefs über
seine
Teilnahme am RSI-Seminar verbrannt hat. Ich verdächtige das Heizungssystem -
es
hat wohl Überstunden gemacht.
"Hallo, ist dort die Nutzer-Betreuung?"
"Ja, sie sind richtig." antworte ich liebenswürdig und hilfsbereit.
"Können sie mir die Nummer des Modem-Pools geben?"
"Natürlich kann ich!" antworte ich und nenne dann die Nummer eines
Fax-Gerätes
aus der vierten Etage, was sie wohl für ein paar Wochen erfolgreich
verwirren wird.
Ich lege auf und bin gerade am Einschlafen, als das Telefon wieder klingelt.
"Mein Laptop läuft immer langsamer. Können sie mir helfen?"
"Natürlich kann ich das. Aber sagen sie mir nicht, daß sie noch immer mit
der
Stromfiltereinheit arbeiten?"
*DUMMY MODE EIN*
"Die Stromfiltereinheit?"
"Ja, die Einheit, die den Strom für ihren Laptop filtert. Normalerweise ist
sie schwarz
und ungefähr drei Zoll lang und zwei Zoll breit."
"Oh .... ja, ich sehe sie."
"Gut, dann müssen sie erst einmal die Filtereinheit durch das filterlose
Kabel
ersetzen."
"Das filterlose Kabel?"
"Ja, es lag mit in der Verpackung des Laptops. Wahrscheinlich liegt es noch
dort."
"Aber ich habe die Verpackung in den Müll geworfen!"
"Hmmm. Nun, ich könnte ihnen eins bestellen, aber haben sie für die
Zwischenzeit
denn ein ungenutztes Netzkabel?"
"Uuuuhhhmmm ..."
"Leihen sie sich einfach eins von einem anderen Rechner - das ist dann deren
Problem."
"Ja, ha ha", lacht er ins Telefon.
Was für ein Einfaltspinsel.
"Gut, jetzt schalten sie den Laptop und den Stromfilter aus, dann schneiden
sie das
Kabel zwischen dem Stromfilter und dem Laptop etwa in der Mitte durch und
entfernen etwas von dem Isolationsmaterial. Dann müssen sie nur noch die
beiden
Kabelenden in die Anschlußdose des neuen Netzkabels einführen ..."
"Das habe ich gemacht."
"Und das Netzkabel anschließen."
"Okay, vielen Dank."
Er legt auf und ich beginne in Gedanken mit dem Countdown. Ungefähr zehn
Sekunden später geht der Feueralarm los, was ich als vielversprechendes
Zeichen
werte ...
Am Ende des Tages kommt der Chef ins Büro. Er wirkt nicht gerade begeistert.
Offensichtlich hat er etwas vom Ratschlag des PJ gehört, der einem Nutzer
empfohlen hat, die Passwörter für die Bildschirmschoner auf allen Rechnern
in seiner
Abteilung zur Erhöhung der Sicherheit durch völlig zufällige
Buchstabenkombinationen zu ersetzen. Die Nachricht von der Aussperrung aus
den
Computern verbreitete sich nach der Mittagspause innerhalb weniger Minuten
im
gesamten Haus ...
Angesichts der Ahnungslosigkeit und des offensichtlich naiven Verständnisses
von
Sicherheit, das der PJ zeigt, kommt der Chef herein, tobt ein wenig über die
verlorene
Zeit, Produktionsausfall, Verschwendung von Firmengeld, unzufriedene
Kollegen,
bla, bla, bla ...
Wir stimmen pflichtbewußt seinen Argumenten zu und versprechen, uns in der
Zukunft zu bessern, sollten solche Probleme noch einmal auftauchen.
"Übrigens", fährt der Chef mit einem Stirnrunzeln fort, "haben sie mein
Zertifikat
über die Teilnahme am RSI-Seminar gesehen? Ich könnte schwören, daß ich es
auf
den Tisch dort drüben gelegt habe ..."
Auf der Suche nach der Urkunde verläßt er uns, während ich die Rauchmelder
abschalte und der PJ einen Eintrag in der Personaldatenbank aktualisiert ...
Es sieht so aus, als hätten wir morgen wieder Arbeit, Arbeit, Arbeit ...
Der B.O.F.H. wird mit ultimativer
Bürokratie konfrontiert. Aber er hat keine Lust
darauf ...
Der Geruch von Fisch liegt in der Luft. Faulem Fisch. Im besten Falle ist
es der von
geschmortem Thunfisch.
Der Chef hat gute Laune. Ja, er strahlt richtig. Das kann nur etwas
Schlechtes für
uns bedeuten. Ganz besonders angesichts der Tatsache, daß er in letzter Zeit
verdächtig oft mit einem der Firmenanwälte telefoniert hat.
Leider wurden die Gespräche nicht aufgezeichnet, da der PJ vergessen hatte,
die
Kassetten des Gesprächsrekorders auszutauschen. Nun, diesen Fehler wird er
nicht
zweimal machen - dafür wird der elektrische Tacker sorgen ...
Es liegt also ganz offensichtlich etwas in der Luft - der Chef hat uns für
10:30 Uhr
zu einem Gespräch eingeladen, zu einer Zeit, die wir sonst gar nicht kennen.
Der selbstgefällige Ausdruck in seinem Gesicht überzeugt mich vollends
davon, daß
er glaubt, er sei in einer unangreifbaren Position.
"Gentlemen", sagt er mit einem völlig untypischen Tonfall der Kameraderie.
"Warum
nehmen sie sich nicht eine Stunde unbezahlten Urlaub und besorgen sich neue
Kleidung?"
Der PJ antwortet prompt.
"Und warum nehmen sie sich nicht eine Stunde bezahlten Urlaub und lassen
sich
f ..."
"WIE BITTE?!" unterbreche ich ihn und rette den PJ davor, mit seinen Worten
eine
Disziplinarmaßnahme zu provozieren. "Wie sie sicher wissen, ist es uns
erlaubt, die
Kleidung zu tragen, die zur Natur unserer Arbeit paßt."
"Es sei denn", sagt der Chef und hält eine mit vielen Unterstreichungen
versehene
Kopie eines Vertrages hoch, der so aussieht wie der, den wir unterschrieben
haben,
als wir in der Firma anfingen. "Es sei denn, ihre Arbeit schließt Kontakte
ein mit ..."
Er schweigt für einen Moment, um uns Zeit zu geben, seinen Satz zu
vervollständigen und kostet sichtlich jede Milisekunde aus ...
"... es beginnt mit einem K ...", fügt er hinzu, "... und endet mit einem N
...."
Weder der PJ noch ich haben eine Ahnung, so daß der Chef das Rätsel selbst
auflöst.
"KUNDEN."
"Oh", sagt der PJ. "Das war nicht das K-Wort, an das ich gedacht habe.
Aber ich
schätze, wir reden trotzdem über die gleichen Leute ..."
Mit einer Handbewegung unterbreche ich ihn und bringe die Sache auf den
Punkt.
"Wir arbeiten nicht mit Kunden", erkläre ich als redete ich mit einem
einfältigen
Kind.
"AHEM", antwortet der Chef und zündet die Bombe, die er bisher versteckte.
"Es
war die Idee der Geschäftsführung wie auch die der Nutzerbetreuung, daß die
Nutzerbetreuung und die anderen Abteilungen nun offiziell ihre Kunden sind."
Sein
selbstgefälliger Gesichtsausdruck sagt alles. Diesmal hat er seine
Hausaufgaben
gemacht.
"Und was schlagen sie vor?" frage ich.
"Die normale Repräsentanten-Kleidung. Anzug ..."
Der PJ keucht.
"... Hemd, Krawatte ...."
Ich unterdrücke das Würgen in meinem Hals.
"... und natürlich besohlte Schuhe, vorzugsweise Leder."
"Nun", fasse ich zusammen. "Wir stimmen nicht oft in unserer Meinung
überein, aber
ich muß zugeben, daß sie Recht haben. Morgen werde ich bereit sein."
Die aufgerissenen Augen des PJ zeigen, daß er an meinem Verstand zweifelt.
Aber
der Chef ist auch kein Idiot. Nun, natürlich ist er einer, aber für den
Augenblick lasse
ich ihm seinen Frieden, denn er riecht sicher schon den Braten, kann aber
noch nicht
genau sagen, wo der Haken ist. Wir verlassen ihn um nachzudenken ...
Am nächsten Tag drehen sich alle nach uns um, als der PJ und ich wie
befohlen im
Anzug erscheinen, und präsentieren dem Chef die Rechnung für unsere neue
Kleidung, der plötzlich unter einer dramatischen Herzattacke zu leiden
scheint.
Eine Stunde später hat die Schwester ihn wiederbelebt, nachdem der PJ und
ich die
Gelegenheit genutzt haben, seinem Schreibtisch mit dem Defilibrator ein paar
Kratzer und Schrammen zu verpassen und den Arbeitsplatz-PC des Chefs zu
zerlegen.
"Wo bin ich?" fragt der Chef.
"In ihrem Büro." antworte ich. "Sie hatten offenbar einen Zusammenbruch."
"Das stimmt. Was VERDAMMT NOCHMAL IST DAS?!" fragt er und deutet auf die
Rechnung.
"Das ist die Rechnung für unsere Kleidung. Erinnern sie sich daran, daß in
unserem
Vertrag steht, daß die Firma für jede speziell zu Arbeitszwecken
angefertigte
Kleidung bezahlen muß. Wußten sie, wie schwer es ist, innerhalb von sechs
Stunden
echte italienische Schuhe mit Stahlkappen, die professionell aussehen, zu
bekommen? Sie mußten sie extra einfliegen!"
"Damit kommen sie nicht durch!" knurrt er und läßt seinen Blick wieder auf
die große
Ansammlung von Zahlen am unteren Ende der Rechnung fallen.
"Nun, befürchten sie nicht", antworte ich versöhnlich. "Befürchten sie
nicht, daß sie
sich auf dem falschen Gleis befinden. Einer der netten Buchhalter mit einer
Vorliebe
für Internet-Strip-Shows hat uns gestern einen Blankoscheck gegeben ..."
"Dann werde ich ihn eben SPERREN!" sagt der Chef knurrend, die Aussicht auf
seinen Sieg schon deutlich vor Augen.
Soviel Zuversicht, daß selbst die Überreste seines PCs davon wieder zum
Leben
erweckt zu werden scheinen ...
Ich gebe ihm noch eine zehnminütige Behandlung mit herzschlagsteigerndem
Strom,
bevor ich die Firmenkrankenschwester erneut rufe, während in der
Zwischenzeit der
PJ unseren Kleiderlieferanten anruft, damit der den Scheck schnell einlöst
...
Und da sagen manche noch, Nadelstreifen seien eine Garantie für Erfolg ...
Der B.O.F.H. hat Ärger, weil er nicht an einem Seminar teilnimmt ...
Die Dinge stehen schlecht. Die Kräfte der Finsterniß (die Brigade der
Mißmutigen)
bereiten mir Probleme. Der PJ und ich wurden zu ´politisch unkorrekten
Personen´
erklärt, weil wir nicht an einem Seminar über ´Belästigungen am
Arbeitsplatz´
teilgenommen haben.
Der Chef hat offensichtlich seine Hände im Spiel, denn schließlich war er
es, der
darauf hinwies, daß wir NIEMALS an einem dieser Zwangstreffen teilgenommen
haben; ich führe diese Handlungsweise auf die neulich verabreichte
elektrische Erste
Hilfe zurück.
Erwartungsgemäß wird ein Treffen mit der Personalchefin und dem Chef der
Betriebsgewerkschaft (die Abteilung der Besorgten) angesetzt.
"Ah, ja", beginnt die Personalchefin. "Offenbar haben sie nie am Seminar
über
Belästigung am Arbeitsplatz teilgenommen."
"Stimmt", antworte ich. "Die Wahrheit ist, daß wir in unserer Position
einfach zu
beschäftigt sind, um (a) jemanden zu belästigen; oder (b) an einem Seminar
darüber
teilzunehmen, was wir nicht tun sollen."
"Gut, das dürfen sie ruhig annehmen, aber ich kann ihnen nur versichern, daß
die
Teilnahme an diesem Seminar Vorschrift für Mitarbeiter und Vertragspartner
ist. Ich
glaube nicht, daß ich sie daran erinnern muß, daß ihr Arbeitsvertrag
vorsieht, daß sie
an allen relevanten Seminaren teilnehmen müssen", sagt sie mit Stahl in der
Stimme,
der die Dicke von Panzerstahl erreicht hat.
"Ich glaube nicht."
"Entschuldigung?!"
"Nun, nehmen wir für einen Augenblick, und wirklich nur, um ihre These zu
widerlegen, einmal an, daß der PJ oder ich wirklich jemanden belästigen
wollten.
Nehmen wir zum Beispiel sie. Würde ich als Netzwerk- und
Kommunikations-Ingenieur den weiten Weg bis zu ihrem Büro gehen, um dann
laute
und unanständige Geräusche oder Bemerkungen zu ihnen oder über sie zu
machen,
die sie (und natürlich auch ich) als Belästigung auffassen könnten? ODER
würde ich
stattdessen aus einer unangreifbaren Position heraus - zum Beispiel dem Büro
des
Chefs - ein paar Bilder finden und veröffentlichen, auf denen sie weniger
Kleidung
tragen, als das der Standard in unserem Haus vorsieht?"
Plötzliche Stille macht sich im Raum breit. Die Personalchefin sieht aus,
wie jemand,
der jetzt lieber an irgendeinem anderen Ort wäre und völlig vergessen hat,
weiter
seine Axt zu schärfen.
"Ich weiß nicht, worauf sie anspielen, mögl ...." fängt Frau Liebenswürdig
an.
"Oh, auf nichts, das versichere ich ihnen. Ich bin sicher, daß das nur ein
Problem mit
der Klimaanlage war, das die Sicherheitska ..."
"HALT! Ich glaube nicht, das wir dieses Thema jetzt noch weiter vertiefen
müssen",
unterbricht mich der Gewerkschaftschef. "Zumindest nicht, wenn der Beweis
..."
Mit anderen Worten, er will die Bänder.
"Nun, wie ich schon sagte, dies war nur ein Beispiel", antworte ich. "Und es
war
völlig frei erfunden. Doch wo wir gerade bei Fakten sind, stimmt es, daß
demnächst
eine Lohnerhöhung geplant ist?"
Er sieht einen Rettungsanker. "Ah, es gab Gespräche über ..."
"Ausgezeichnet. Der PJ und ich haben gehofft, daß dies der Fall ist."
Verhandlungen beendet. Der PJ und ich ziehen uns in unser Büro zurück, um
die
Lohnerhöhung zu verplanen. Zwei Tage später halten wir die schriftliche
Bestätigung
der Lohnerhöhung in den Händen und sind einmal mehr zufriedene Mitarbeiter.
Der
Chef andererseits ist nicht so zufrieden. Wieder hat er gegen uns verloren
und sich in
eine Ein-Mann-Armee verwandelt, die wütend durch die Abteilung marschiert,
um
ein Opfer zu suchen, das sich nicht wehren kann.
Das Telefon klingelt. Es ist die Nutzer-Betreuung.
"Hallo?" melde ich mich.
"Ist dort die Netzwerk-Abteilung?"
"Sie wissen, wer wir sind."
"Wir haben ein ... Problem, daß wir gerne gelöst hätten."
"Hardware oder Software?"
"Ähmmm ... Bossware."
"Das könnte teuer werden ..."
"Ein Abend für vier mit Drinks und Essen im Dorchester auf unsere Kosten?"
"Gut, wir kümmern uns darum."
"Oh! In Ordnung."
"Keine Ursache."
Ich liebe Anrufe dieser Art. Ich informiere den PJ über das Geschäft.
Später an diesem Tag stürmt der Chef herein auf der Suche nach der Person,
die den
Mail-Server heruntergefahren hat.
"Das war wohl ich", erkläre ich. "Sie haben uns doch gesagt, wir sollen den
Server in
den Computer-Raum stellen. Aber die Elektriker haben die Stromleitungen noch
nicht geprüft."
"RICHTIG!", antwortet er bissig. "Ich komme wieder, um mich mit IHNEN zu
unterhalten, wenn ICH den Server wieder hochgefahren habe."
Wie vorschnell. Der PJ und ich sehen, wie das Netzteil des Servers eine
Rauchwolke
ausstößt, als der falsch verkabelte Netzstecker 400 Volt statt der
erwarteten 240
liefert. Es ist unserem Sicherheitssystem zu verdanken, daß im Notfall die
Türen der
betroffenen Räume sofort geschlossen werden, damit niemand irrtümlich in
einen
Raum gelangt, der sich mit Ozon füllt. Andererseits kann auch niemand mehr
heraus ... Der Chef in dem Raum greift nach der Sauerstoffmaske.
"Er muß verrückt geworden sein! Er lachte wie ein Wahnsinniger, stürmte in
den
Raum und ging auf die Technik los!" erkläre ich den Leuten vom
Sicherheitsdienst
etwas später.
Der Chef lacht noch immer (offensichtlich findet er irgendetwas unheimlich
lustig),
als sie in hinaustragen ...
Der B.O.F.H. und der PJ machen ein paar Konsultationsbesuche ...
Zum ersten Mal in seiner Karriere hat der Chef etwas richtig gemacht! Das
ist
verwunderlich, doch irgendwie hat er es geschafft, ein paar
Konsultationsbesuche
mit anderen lokalen Unternehmen zu verabreden, um den kollegialen Austausch
von
Informationen und Erfahrungen über Netzwerke zu fördern.
Das könnte ihm so passen!
Wir wissen, daß es sich dabei nur um eine List handelt, mit der er uns
loswerden will,
um nach den drei Blanko-Bestellformularen, die seine Unterschrift tragen, zu
suchen, die wir von ihm erpreßt haben, indem wir damit drohten, den
Geschäftsführer
darüber zu informieren, was ein Tisch und eine Sekretärin unter reger
Beteiligung
unseres Chefs im Beratungsraum der Geschäftsleitung getrieben haben. Wer
hätte
gedacht, daß die Erweiterung der Gesprächsaufzeichnungsanlage um eine
Infrarotkamera sich so schnell auszahlen würde?
Und in Konsultationsbesuchen erkennt ein erfahrener Bastard natürlich SOFORT
eine Möglichkeit zur Aufrüstung der eigenen Hardware. Der PJ und ich
bereiten uns
auf die Besuche vor, indem wir die leider für längere Zeit nicht mehr
gebrauchten
falschen Böden in unsere Aktentaschen einsetzen und sie dann mit veraltetem
Netzwerkzubehör füllen.
Gemäß unserer Absprache hat der PJ bereits ein halbes Dutzend
10/100 MBit-Ethernet-Karten gegen unsere alten 10 MBit-Karten ausgetauscht,
als der Netzwerk-Manager, den wir zuerst besuchen, mir die ganze Schönheit
seiner
Technikregale vorgeführt hat. Es ist beinahe so, als nähme man einem Baby
die
Bonbons weg - und läßt ihm dann noch das Einwickelpapier ...
Unser zweiter Besuch führt uns in ein etwas sichereres Unternehmen, das eine
leichte Herausforderung verspricht. Jedenfalls solange, bis wir zur
Mittagszeit in ein
Lokal gehen, um sieben oder acht Biere zu trinken, auf die ein paar Tequilas
folgen.
Ein geringer Preis für Router-EPROMs mit der neuesten Version der Firmware,
für
die unser Lieferant ein mittleres Vermögen kassieren wollte, während der
Netzwerk-Manager unseres Gastgebers friedlich schnarcht.
Da ich ein gutmütiger Trottel bin, werde ich die EPROMs später als
´Fehlerbereinigung´ mit der Post zurückschicken, nachdem ich ein paar kleine
Änderungen an der internen Logik vorgenommen habe.
Ich bin sicher, der derzeitige Vorteil unseres Konkurrenten wird zu unserem
Vorsprung, wenn die "Benutze das am meisten belastete Segment"-Anweisungen
ausgeführt werden ...
Wir werden nur einmal unterbrochen, als ihr PJ (so grün, daß er einmal mit
einem
Rasenmäher zusammengebracht werden sollte) hereinkommt, um zu sehen, was wir
machen.
Aber das Winken mit meiner Metro-Monatskarte überzeugt ihn davon, daß wir
das
Wartungsteam ihres Zulieferers sind und routinemäßig die Hardware prüfen. Es
bricht mir wirklich das Herz, daß ich diese Leichtgläubigkeit nicht
bestrafen kann.
Die Auswirkungen des Mittagessens bringen den PJ, der auf dem Gebiet der
alkoholischen Künste noch ein wenig unerfahren ist, dazu, sich vom anderen
PJ den
Ort zeigen zu lassen, den selbst Könige zu Fuß aufsuchen. Der andere PJ
vergißt
natürlich achtlos seine Tasche mit der Nutzerkarte ...
Sekunden später fällt der Strom aus, was nur bedeuten kann, daß seine
Erholungspause den PJ am Sicherungskasten vorbeigeführt hat. Die Dunkelheit,
der
wahre Freund eines jeden Bastards, wird nur noch durch einige
NOTAUSGANG-Schilder gestört, die ein wenig flackern und schließlich auch
ausgehen. Nun, das nenne ich einen guten Lehrling.
Schneller als man "Hochkapazitäts-Speicherplatz-Downgrade" sagen kann führe
ich ein solches an einem PC durch, was zugleich einen spürbaren
Gewichtszuwachs
für meine Aktentasche bedeutet. Ich komme rechtzeitig nach draußen, um den
PJ
unseres Gastgebers über eine Kabelrolle stürzen zu sehen, die ich auf meinem
Weg
in den Raum zufällig von einem Regal herunterstieß.
Die Lichter gehen wieder an, und ich sehe, wie der PJ dem anderen PJ in
einen Stuhl
hilft. Der arme Tropf sieht etwas verstört aus, also entschließe ich mich,
ihm ein
wenig unter die schwachen Arme zu greifen, indem ich ein paar Anrufe
entgegennehme.
"DAS VERDAMMTE NETZWERK IST TOT!" schreit ein Nutzer in einer
Lautstärke, die bei uns dazu geführt hätte, das uns jemand Krankengeld
zahlen muß.
Hier scheint sowas üblich zu sein.
"Ja, das liegt am Stromstärkeabfall, der durch die starke Nutzung verursacht
wird."
antworte ich. "Sie sollten ihre Rechner im Niedrigstrom-Modus benutzen, um
solche
Ausfälle zu vermeiden."
"Wie kann ich das tun?" fragt der Nutzer und läßt mich wieder an die guten
alten
Werte wie Vertrauen und Bestrafung denken.
"Schalten sie erst einmal alle Rechner in ihrem Büro ab. Auf der Rückseite
jedes
Rechners finden sie den Schalter, um den Niedrigstrom-Modus einzuschalten.
Dann
schalten sie die Rechner gleichzeitig wieder ein."
"Sie meinen die 115 Volt-Einstellung?" will der Nutzer wissen.
"Sie haben es!"
"Danke."
"Keine Ursache!" rufe ich, als der PJ und ich nach draußen eilen.
Unser Abgang wird begleitet von lautem Krach aus den Büros im Erdgeschoß,
der in
meinen Ohren wie fröhliche Musik klingt ...
Die letzte Station unserer Konsultationsreise ist eine Überraschung. Wir
besuchen
unseren Konkurrenten, der uns vor einiger Zeit übernehmen wollte.
Sieht aus wie eine Falle ...
Meine Befürchtungen bewahrheiten sich, als ich die vielen kleinen Löcher für
die
versteckten Überwachungskameras bemerke, die die Wände der Korridore und der
Büros so unauffällig auffällig zieren. Nun, das erhöht den Reiz ein wenig
...
Ich liebe die Herausforderung, aber das sagte ich wohl schon ...
Der B.O.F.H. und der PJ helfen einem Konkurrenten, seine PSIK-Probleme zu lösen ....
Es ist Zeit für den letzten Besuch auf unserer Konsultationsreise. Und
diesmal
scheint es sich um eine wirklich harte Nuß zu handeln ...
Die Netzwerk-Zentrale scheint direkt aus dem Science-Fiktion-Land zu kommen,
eine echte Sicherheits-Zentrale und eine Schatztruhe volle komplizierter
Geräte.
Meine Finger beginnen sofort zu zittern, doch Vorsicht ist jetzt die
wichtigste
Parole. Der PJ nimmt die hervorragende Sicherheitsausstattung ebenfalls wahr
und
paßt sich entsprechend an.
Ein Telefon in meiner Nähe klingelt, und ich nehme den Anruf hilfsbereit
entgegen,
wobei ich vorhabe, das gute alte FDISK-Programm zur Fehlerbehebung
einzusetzen,
doch das verräterische Piepen des Gesprächsrekorders macht mir klar, daß
alles,
was ich sage, gegen mich verwendet werden kann und wird. Ich gebe ein paar
unnütze Floskeln als Ratschlag von mir, dann lege ich wieder auf. Mein
Gegenpart
beobachtet mich mit dem selbsgefälligen Ausdruck von jemandem, der genau
weiß,
wie sicher seine Einrichtung ist.
Dieser Bastard!
Bei der Besichtigung der Kommunikationsanlagen zeigt er mir topmoderne und
neue
Technik, für die ich sogar dem Chef keine Streiche mehr spielen würde, um
sie zu
bekommen - was meinen allgemeinen Kummer nur noch verstärkt.
"Ziemlich gut, oder?" kommentiert mein Gegenspieler. "Ich bin mir sicher,
daß sie
solche Technik auch bekommen werden ... irgendwann ...."
Dieser Doppel-Bastard!
Zur Mittagszeit habe ich beinahe alle Hoffnung aufgegeben - es sieht aus,
als hätten
sich die Mächte gegen mich verschworen. Selbst in der Cafeteria bemerke ich
überall
Kameralinsen. Außer ...
Der PJ interpretiert das plötzliche Leuchten in meinen Augen korrekt und
stellt sich
für den Bruchteil einer Sekunde so, daß niemand sieht, wie ich das alte
Hausmittel - ein wenig Abführmittel - in den Nachtisch meines Gastgebers
schmuggle. Das mag zwar nicht besonders fair sein, doch wie sagt man so
schön, in
der Liebe und im Netzwerk-Geschäft ist alles erlaubt ...
Wie geplant erreicht der Ruf der Natur mein Gegenstück ein paar Stunden
später, so
daß der PJ und ich endlich mit der Arbeit beginnen können. Er stolpert
zufällig über
ein Kabel und landet mit dem Gesicht auf der Kontrollkonsole der
Kamera-Überwachung. Dabei zieht er sich im Dienst unserer Sache ein paar
Quetschungen zu. Die Überwachungskameras befinden sich nun im
Alzheimer-Modus, und ich starte auf jedem PC, den ich von hier aus erreichen
kann,
die SNMP-Testprogramme.
Sekunden später stürmt jemand herein, den ich als den Chef meines
Gegenstücks
identifizieren kann, und wettert über erschreckend hohe Antwortzeiten im
Netzwerk.
Doch eigentlich kann das gar nicht so schlimm sein, es sei denn, die 400
ungenutzten
PCs im Gebäude schicken jede Sekunde SNMP-Fehlermeldungen durchs Netz ...
"Das sieht aus wie das PSIK-Problem, das wir mit neuer Hardware vor ein paar
Monaten hatten." kommentiere ich hilfsbereit
"PSIK?" fragt er.
"Ja, Pseudo-Standard-Interface-Konflikte", antworte ich. "Die neue Hardware
hält
sich meistens an keinen Standard, was auch prächtig funktioniert, solange
die Geräte
nicht an ein Netzwerk angeschlossen werden und mit anderen Geräten keine
Daten
austauschen. Wenn sie aber angeschlossen werden, dann gibt es früher oder
später
zwangsläufig Probleme ..."
"... wenn nur noch Fehlermeldungen durch das Netz geschickt werden."
vollendet der
PJ, der meine Taktik schnell durchschaut hat.
"Was können wir dagegen tun?" fragt der Chef-Verschnitt. "Mein
Netzwerkbetreuer
hat mir nichts davon berichtet!"
"Sie machen Scherze!" erwidere ich entsetzt. "Sie meinen, er füllt keine
täglichen
Reports aus, in denen er protokolliert, womit er den Tag verbringt?
Natürlich! Großer
Gott, aber sagen sie bitte nicht, er hätte keine Netzwerk-Dokumentation für
solche
Fälle!"
"Hat er nicht!"
"Aber das hat doch oberste Priorität bei dieser Arbeit! Kein Wunder, daß sie
Probleme mit all diesen neuen Geräten haben!! Ich spreche es ja nicht gern
aus, aber
es hat ganz den Anschein, als hätte er sie mit irgendwelchen technischen
Floskeln
an der Nase herumgeführt ... Ich sage ihnen, was wir tun können - denn sie
sind ja
ein guter Bekannter meines Chefs. Ich werde ihnen ein paar unserer Geräte
leihweise überlassen, damit wir ein paar von ihren Geräten mitnehmen und die
Fehler
lokalisieren und beheben können."
"Das würden sie tun?!?!" freut er sich, die Rettung des Netzwerkes vor
Augen.
"Natürlich! Aber nur, wenn sie nicht glauben, wir hätten ihnen nur noch mehr
technische Floskeln, Fachbegriffe und Geek-Geschwätz vorgesetzt."
"NEIN. Ich bin in der Lage, allein technische Entscheidungen zu treffen.
Sagen sie
mir, was wir ersetzen müssen und sie können es mitnehmen, wenn sie gehen
..."
"Gut, dieser Gigabit-Ethernet-Switch sieht verdächtig aus." antworte ich.
"Und vergessen sie nicht diesen kleinen Handheld zur Netzwerk-Analyse"
ergänzt
der PJ.
... fünf Minuten später ...
"Und zum Schluß noch diesen Dual Audio-Kanal Video-Monitor."
"Sie meinen den neuen 29 Zoll Stereo-Farbfernseher des
Geschäftsführers?!?!?"
jammert er.
"Ich wette, der verursacht allein schon die Hälfte aller Fehlermeldungen."
antworte
ich.
Innerhalb einer halben Stunde vermißt ihre Kommunikationszentrale nichts als
einige
fehlerhafte Geräte. Ich organisiere die Anlieferung einer Ladung mit
Netzwerk-Zubehör, das so alt ist, daß man die Bytes beim Wandern beobachten
kann und mache Pläne für die Verhandlungen, die zwangsläufig folgen werden.
Ich kann es kaum erwarten, die Rechnung für die "Behandlung" jedes Gerätes,
das
wir untersuchen und als standard-kompatibel einstufen, zu sehen ...
Ja, diese Konsultationsbesuche machen sich wirklich bezahlt ...
Dem B.O.F.H. wird von seinen Kollegen ein Preis verliehen ...
Es ist ein ruhiger Montagmorgen, als der Chef ins Büro hereinschlendert.
Er streicht
wie eine Katze um dem sprichwörtlichen Brei.
"Wie lief der Router-Verkauf?" will er wissen. Er kann seine Zufriedenheit
darüber,
daß er es geschafft hat, einen Router zu verkaufen, der so kaputt war, daß
er nicht
einmal mehr den Selbsttest schaffen würde, um als Anker zu dienen, kaum
verbergen.
"Sie kamen und haben ihn abgeholt." antworte ich und denke an den armen
Tropf, der
den Router von uns gekauft hat und mit ziemlicher Sicherheit gerade damit
beschäftigt ist, ein Feuer zu löschen. "Ich glaube noch immer, daß wir nicht
ganz
korrekt gehandelt haben."
"Klingt wie ein Fall von später Reue", gluckst der Chef selbstgefällig.
"Tatsächlich?" erwidere ich. "Ich dachte wirklich, daß es ein Router war!
Man kann
diesen ausländischen Weinen auch nicht mehr trauen - nach Tschernobyl kann
man
nie wissen, ob sie radioaktiv sind ...."
Der Chef schaut mich an, als sei ich ein völliger Dummkopf, doch der PJ
bleibt ruhig,
denn er kennt meinen Plan.
"Wie HABEN sie die Leute überzeugen können?" frage ich, um das Bedürfnis des
Chefs nach Anerkennung und Verehrung zu befriedigen.
"Oh. Ich habe ihnen gesagt, daß es ein Originalgerät ist und noch immer so
gut, wie
an dem Tag als wir es kauften." kichert er, um sich selbst zu beweisen, was
für ein
Genie er ist ...
Und das ist ein Glaube, gegen den ich nichts habe, denn heute ist der erste
April - Bastard Boss Tag - und ich will endlich einen Preis bekommen, um den
ich
mich schon seit vielen Jahren bemühe.
In diesem Jahr habe ich beschlossen, dem Chef das Netzwerk als
Speichermedium
zu verkaufen. Ich muß noch ein paar Andeutungen machen, damit er seine
gewaltige
Intelligenz von dem Versuch, seine Schnürsenkel zuzubinden abwendet und mir
zuhört.
"Es ist doch ganz einfach!" rufe ich. "Wir haben überall diese Gigabit
Ethernet
Switches herumstehen, aber nutzen sie nicht! Statt sie im Leerlauf ungenutzt
zu
lassen, könnten wir doch ständig die Daten durch das Netz senden, bis jemand
sie
braucht und benutzt. Das würde auch den Bedarf an Festplatten drastisch
senken!
Und dann noch die Wartezeit, die durch die Verzögerungen bei Lese- und
Schreibzugriffen auf den Festplatten entsteht! Die könnten wir einsparen,
wenn die
Daten immer im Netz verfügbar wären!"
"Das wird niemals funktionieren", kontert der PJ verabredungsgemäß. "Unser
Netzwerk ist viel zu klein - die Daten wären schon wieder zurück, bevor sie
vollständig abgeschickt wurden."
"Nicht, wenn wir die Leitungen etwas verlängern, um eine kurze Verzögerung
zu
bewirken", antworte ich. "Zehn Cat-5-Kabelrollen dürften genügen."
"Ja!" lächelt der PJ. "Das stimmt - daran hatte ich noch gar nicht gedacht."
Unsere Diskussion hat den Chef überzeugt. Wenn der PJ mir sofort zugestimmt
hätte, dann wäre der Chef vorsichtiger gewesen und hätte das Schlimmste
vermutet.
Doch nun hat er den PJ "auf seiner Seite", also ist die Sache sicher.
Wie ein Schaf im Schlachthof ...
"Ausgezeichnet. Ich bin mir sicher, daß der Geschäftsführer zustimmen wird!"
"Wären sie so nett, ihm zu sagen, daß es meine Idee war?" frage ich und
bringe die
letzten beiden Sargnägel an. Jetzt ist er völlig davon überzeugt, daß die
Sache sicher
ist. Und nichts wird ihn davon abbringen, den ganzen Ruhm selbst
einzuheimsen.
Er verschwindet zum Geschäftsführer, während der PJ und ich versuchen,
gelassen
in unser Büro zurückzulaufen. Ich schalte die Überwachungskamera im Büro des
Geschäftsführers ein und starte den Videorekorder.
Diese kleine Aufzeichnung wird mir ganz sicher die Trophäe einbringen, die
ich
schon so lange verdiene - den begehrten "IT-Idiot-Preis" für den dümmsten
Chef,
den ich am heutigen Abend in einem zentralen Pub in London bekommen werde,
wo
ich mit ein paar befreundeten B.O.F.H.s verabredet bin ....
Die Aufzeichnung startet gerade rechtzeitig ...
"Wie auch immer ..." schnattert der Chef aufgeregt und mit gespielter
Intelligenz
drauflos. "Ich lief durch die Abteilung, als mir der Gedanke kam. Angesichts
der
steigenden Kosten für Festplattenplatz wäre es doch eine interessante Sache,
das
Netzwerk als Speicher zu nutzen ..."
Er fährt fort und schmückt wortgewaltig das aus, was wir ihm als "Futter"
vorgesetzt haben, und erwähnt ganz nebenbei, daß er gerade eine Bestellung
über
zwanzig Cat-5-Kabeltrommeln abgeschickt hat.
Die Explosion ist unvermeidlich. Der Geschäftsführer, dessen Praxiswissen
zwar
gerade dazu ausreicht, eine elektrische Schreibmaschine zu bedienen, hat
andererseits sechs Jahre damit verbracht, Erstsemesterstudenten die
theoretischen
Grundlagen von Netzwerken beizubringen.
Der PJ und ich kopieren alles für den Fall, daß uns jemand "bestrafen" will
...
Später in der Nacht verputze ich ein oder zwei Biere im Pub, um meinen neuen
Preis
zu feiern. Trotzdem, ich spüre eine gewisse Unzufriedenheit. Vielleicht
hätte ich den
Chef besser davon überzeugt, die Liftkabel auch als Stromleitungen für die
USV zu
nutzen.
Ach was, es gibt ja noch das nächste Jahr ....
Die Netzwerk-Zentrale wird in ihrem
Fundament erschüttert, als die Dinge
kopfstehen ....
Die Dinge entwickeln sich nicht gerade so, wie ich das geplant hatte. Ja,
beinahe
scheint ein Wechsel der Karriere angebracht zu sein. Ich wurde zu einem
dienstlichen Gespräch eingeladen, um auf einige Beschwerden über meine
"Arbeitsweise" zu reagieren ...
Um den Schein von ´Fairness´ zu wahren, sorgt der Chef dafür, daß als Zeuge
sein
guter Freund und mein ewiger Feind, der Personalchef, anwesend ist. Aber
auch
wenn ich, natürlich nur bei wenigen Gelegenheiten, Differenzen mit ihm habe,
so
rechne ich doch mit seiner Professionalität. Ich bin sicher, daß er nur das
Kriegsbeil
begraben will ...
"Simon", beginnt der Chef. "Wir haben formelle Beschwerden über sie von
einem
neuen Systemprogrammierer bekommen. Er erklärt, daß sie sich grundlos
anstößig
ihm gegenüber benehmen."
"Ich fürchte, daß ich nicht die leiseste Ahnung habe, worüber sie reden."
"Er behauptet, sie hätten ihn aufgefordert, er könne sie an gewissen
Körperteilen
lecken."
"Wie bitte?" frage ich schockiert. "Da muß ein gewaltiger Irrtum vorliegen.
Als ich
ihn zuletzt getroffen habe, sagte ich ihm, daß ich einen Systemabsturz
hatte, den er
sich einmal anschauen sollte. Ich kann doch nicht dafür verantwortlich
gemacht
werden, daß er mich falsch interpretiert."
"Sie kamen von der Toilette."
"Reiner Zufall. Ich habe es erwähnt, als die Gelegenheit sich bot."
"Erwähnt? Das war wohl eher lautes Geschrei, oder? Ich glaube, sogar ich
habe es
noch gehört."
"Ich gebe zu, daß es etwas lauter als ein Flüstern war, aber das tat ich nur
aus
Respekt vor seinem reichhaltigen und professionellen Wissen ..." (Nun, einen
Versuch war es wert ....)
"Die Worte ´lecken sie meinen´, nun, sie wissen schon, was ich meine, haben
nach
MEINER Meinung nichts mit professionellem Respekt zu tun."
"Natürlich werde ich mich entschuldigen, falls ich eine Störung des guten
Klimas in
der Abteilung hervorgerufen habe - ich werde mich jetzt sofort
entschuldigen!"
"Sie wissen so gut wie ich, daß der Programmierer gekündigt hat."
"Nein, das ist mir neu. Wie kam es denn dazu?"
"Es hat den Anschein, als sei er beunruhigt über die häufigen Explosionen
seiner
Geräte gewesen."
"Wirklich? Möglicherweise gab es wieder Probleme mit seinem USV-System. Erst
kürzlich hatten wir damit Schwierigkeiten ..."
"Ja, ich habe auch bemerkt, daß der Chefbuchhalter für unsere Abteilung
ebenfalls
gekündigt hat. Er sprach von zuviel Streß am Arbeitsplatz."
"Nun, ich finde auch, daß die Hersteller von Geräten nicht mehr das sind,
was sie
einmal waren." antworte ich. "In der guten alten Zeit reagierten die Geräte
etwas
toleranter, wenn es kleinere Fehler gab."
"Meinen sie damit die 400 Volt-Netzkabel, für die die Elektriker keine
Erklärung
haben?"
"Wirklich? Das wußte ich nicht. Jemand hat meinen Strom- und Spannungsmesser
gestohlen."
"Damit meinen sie wohl das Meßgerät, das mit der Hauptleitung im
Beratungszimmer verbunden ist und bei dem die 10 Ampere-Skala eingeschaltet
ist,
so daß die Sicherungen auf der Etage jedesmal durchbrennen, wenn der
Overhead-Projektor eingeschaltet wird?"
"Wirklich? Wer würde denn sowas machen?"
"Haben sie eine Begründung dafür, daß der Sicherheitsdienst ihre
Fingerabdrücke auf
dem Gerät gefunden hat?"
"Ich muß bei meiner Arbeit viele Geräte anfassen. Das ist meine Aufgabe."
"Das sehe ich. Nun, die Sache liegt nicht mehr bei uns. Der Geschäftsführer
will sich
persönlich mit ihnen unterhalten."
Persönliche Gespräche mit dem Geschäftsführer sind höchst selten. Und
beinahe
immer sind sie Anlaß für eine ´Kündigung´.
Der Chef und ich werden in das Zimmer des Geschäftsführers gebeten ...
"Was gibt es bei ihnen eigentlich für Probleme?" knurrt der Geschäftsführer.
"Wollen sie die Antwort mit technischen Fachbegriffen oder verständlich für
Laien?"
frage ich höflich.
"Für den Anfang versuchen sie es so, daß ein Laie es versteht."
"Ich und mein Auszubildender sind die einzigen Angestellten im ganzen
Betrieb, die
wirklich wissen, was wir tun."
Der Chef schüttelt den Kopf und lächelt humorlos.
"Ja, ich habe gehört, daß das der Fall ist." antwortet der Geschäftsführer,
der bei
einem Familientreffen durch den PJ informiert wurde. Diese Familientreffen
sind eine
fantastische Einrichtung ...
"Entschuldigen sie!" unterbricht der Chef leidenschaftlich. "Ich glaube, sie
übersehen
da etwas."
"Natürlich tue ich das." lächelt der Geschäftsführer wohlwollend. "Wir sind,
natürlich, traurig, daß sie uns verlassen wollen."
"Was? Ich denke überhaupt nicht daran, eine Kündigung zu unterschreiben. Und
sie
können mich nicht dazu überreden!"
"Aber das haben sie doch schon getan", antwortet der Geschäftsführer etwas
verwirrt und zeigt ein Schriftstück mit der rasch hingekritzelten
Unterschrift des
Chefs.
"Aber wer kann mich denn ersetzen?" murmelt der Chef resigniert.
"Er sitzt vor ihnen." lächelt der Geschäftsführer.
"Sie wollen sich um das Netzwerk kümmern?!" ruft der Chef.
"Nein ...."
"Aber wer ..." Unglaube und Angst tragen einen kurzen Kampf um die
Vorherrschaft
auf seinem Gesicht aus. "Das meinen sie nicht ernst!"
"Aber natürlich meint er es ernst", antworte ich schnell. "Nun, ich höre,
daß sie eine
Arbeit suchen. Und ganz zufällig haben wir eine freie Position in unserer
Netzwerk-Abteilung zu vergeben. Sie werden natürlich mir unterstellt sein
..."
Manchmal kann das Leben schrecklich sein, aber wenn es gut ist, dann ist es
WIRKLICH gut.
Der B.O.F.H. unterzieht seinen
neuen Schützling einer würdigen Taufe ... Und sieht
ihn erblühen ...
Jetzt bin ich also in einer hervorragenden Manager-Position. Das
zusätzliche
Einkommen als Manager genügt schon, um mir den Tag zu versüßen.
Die Möglichkeiten, zur Umleitung von Geldern, die für weniger wichtige
Projekte
(Aufrüstung der Hardware der Service-Abteilung) vorgesehen sind, in wichtige
Projekte (neue Hardware für die Netzwerkzentrale) sind zahlreich. Und der
Zuckerguß auf der Torte ist die Tatsache, daß mein früherer Chef jetzt mein
Untergebener ist ...
Und bis jetzt habe ich noch keine Beschwerde gehört. Ich beschließe, mein
Glück mit
den anderen zu teilen. Der PJ hatte schon immer den Wunsch, nach New Orleans
zu
verreisen. Im WWW finde ich schnell eine passende Konferenz, bei der ich ihn
anmelde.
Er ist hocherfreut, da er noch nie in New Orleans war. Der Ex-Chef erwartet
einen
ähnlichen Gefallen, und ich kann mir nicht verkneifen, ihn zu enttäuschen.
Ich zeige
ihm, wo er den Staubsauger findet und dann auf der Karte alle Räume, die zu
unserer
Abteilung gehören ...
Eine Woche später sind beide wieder da, der Ex-Chef wirkt etwas seltsam, was
wohl daran liegt, daß er die meiste Zeit im Dunkeln zugebracht hat. Wie
konnte ich
nur vergessen, ihn daran zu erinnern, daß einige der Schränke in unseren
Räumen
keine Griffe an den Innenseiten der Türen haben? Ups.
Immerhin hatte er noch den Verstand, das Netzkabel der Vermittlungsanlage zu
ziehen, so daß jemand ihn finden konnte. Allerdings hätte er diesen Einfall
wohl
besser vor dem langen Wochenende gehabt. Doch bekanntlich lernt man ja am
besten aus den eigenen Fehlern. Es ist schon furchtbar, was man aus
Wassermangel
alles tut.
Da nun alle wieder in der Netzwerkzentrale versammelt sind, verteile ich die
Aufgaben. Der PJ übernimmt wegen seiner Erfahrungen meine alte Rolle, also
Installation, Überwachung und Wartung. Der Ex-Chef, natürlich ist er völlig
ahnungslos, wird vor das Telefon gesetzt. Ich mußte es sogar für ihn
anschließen.
Meine Hoffnungen werden nicht enttäuscht. Innerhalb der ersten halben Stunde
klingelt es. Und da er sich in der Ausbildung befindet, muß der Ex-Chef die
Freisprechanlage benutzen, damit er Anweisungen vom PJ oder mir
entgegennehmen
kann, wenn dies nötig wird.
"Hallo, Netzwerk-Zentrale", meldet der Ex-Chef sich.
"Hallo, ist dort die Netzwerk-Zentrale?" Ein schneller Blick auf die
Rufnummernidentifizierung erklärt den Umstand, daß die Stimme bekannt
klingt. Der
PJ flüchtet voller Angst.
"Wie kann ich ihnen helfen?"
"Das Netzwerk funktioniert schon wieder nicht."
"Ja. Wann trat der Fehler auf?"
"Gerade eben. Ich habe versucht, etwas zu drucken, aber es geht nicht."
"In Ordnung, ich schaue mir das mit dem Netzwerk-Monitor an und prüfe, ob
ihr
Computer defekt ist. In welchem Raum sitzen sie?"
Sie gibt ihm die Nummer, und er durchforstet die Netzwerk-Datenbank auf der
Suche nach Informationen. Erfolglos. Da er uns in seiner neuen Position
nicht so früh
um Hilfe bitten will, entscheidet er sich für die erprobte alte Methode und
begibt sich
zu ihr.
Als er weg ist, kommt der PJ wieder.
"Ist er wirklich losgegangen?"
"Yep."
"Der arme Hund!"
"Yep."
In jedem Unternehmen gibt es mindestens einen paranoiden Mitarbeiter, der
unter
einer Computerphobie leidet. Und sie gehört zu diesen Leuten, die glauben,
daß die
Computer heimlich die Einstellungen verändern, wenn sie wegschauen. Zu
jenen, die
sich ständig darüber beschweren, daß jemand ihre Passwörter geändert hat.
(Immer
dann, wenn sie die Umschalttaste drücken.) Zu denen, die überhaupt nichts
angefaßt
haben wollen, und trotzdem läuft das Netzwerk nicht. (Das kommt zweimal im
Jahr
vor, wenn sie den Standort ihres PCs wegen der Sonneneinstrahlung ändern und
dabei die Netzwerkkabel abziehen ...)
Allerdings ist es in diesem Fall noch schlimmer. Das ´Netzwerk´, von dem sie
sprach, besteht aus einem RS232-Druckerkabel zwischen ihrem XT-PC der ersten
Generation und einem Nadeldrucker.
Sie hat niemals der neueren Technologie vertraut (die nicht funktionierte
und sich
heimlich gegen sie verschwor) und zieht es vor, getrennt von der wirklichen
Welt zu
bleiben. Mit Ausnahme zweier Anrufe im Jahr, wenn sie das Druckerkabel
abgezogen hat.
Eine Stunde später ist der Ex-Chef zurück - ein verwandelter Mensch. Nachdem
er
sich eine Stunde lang verschiedene Verschwörungstheorien und weiteres
geistloses
Geschwätz vom Akte X-Typ anhören mußte, hat er erfahren, was es heißt, an
unserem Ende der Telefonleitung zu sitzen.
Verschwunden ist der Geist der Hilfsbereitschaft. Verschwunden ist der gute
Wille
gegenüber den Anliegen der Nutzer. Der PJ und ich tauschen einen wissenden
Blick - das haben wir schon früher gesehen, und wir werden es wieder sehen.
Er wurde bastardisiert.
Das Telefon klingelt erneut.
"Netzwerk", stößt er kurzatmig hervor.
"Hallo, ist dort die Netzwerk-Betreuung?" fragt die bekannte Stimme. Das
Telefon
gibt ein knackendes Geräusch von sich, als es hochgerissen und in den
Mülleimer
gefeuert wird.
"So, ich nehme an, ich werde dafür gefeuert, daß ich das Telefon zerstört
habe?"
fragt er seinem Schicksal ergeben.
"Nun, improvisierte Deinstallationen stehen normalerweise etwas später auf
dem
Ausbildungsplan, aber es hat den Anschein, daß das eigene Erleben der beste
Lehrer
ist ..."
Ich gehe nach draußen und überlasse es dem PJ, ihm die restlichen Ketten zu
zeigen ...
Und die Peitschen ...
Und die ´Video-Überwachungs´-Steuerung ...
Wer hätte gedacht, daß er so vielversprechendes Material ist?
Wer hat behauptet, es sei leicht,
ein Manager zu sein? Es gibt noch immer Dinge, die
nicht mit einer Axt geregelt werden können ...
ICH KANN ES NICHT MEHR AUSHALTEN!!! Dabei lief es in meiner neuen
Position als Manager so gut - Geld für wichtige Projekte (Stereo-Fernseher,
die mit
den neuesten und besten Sateliten-Empfangsschüsseln verbunden sind)
auszugeben, als die Bombe platzte.
Ich fand heraus, daß von mir erwartet wird, an ungefähr sechs ´Planungs-´
Besprechungen in JEDER Woche teilzunehmen! Meine bisherige Meinung über das
Management wurde mehr als bestätigt ...
Irgendwann, nachdem die Frage, ´was diese Byte-Dinger eigentlich sind´
ungefähr
tausendmal gestellt wurde, ist Schluß! Und dann ertappt man sich bei der
Vorstellung, welche Verbesserungen man mit einer Axt und einem großen
Abfallzerkleinerer in der Firma durchsetzen könnte.
Wo ich gerade beim Thema bin - die erste hochwichtige Beratung fand zu der
bedeutenden Frage statt, ob wir die Pflanzen für unser Haus mieten sollten.
Da
eigentlich schon überall Pflanzen herumstehen, fand ich, daß das eine
irgendwie
redundante Thematik sei - aber ganz offensichtlich haben sich meine
Gedankengänge noch nicht an meine neue Position gewöhnt. Ich hatte
vergessen,
daß diese kleine Managergruppe nicht eine, nicht zwei, nicht drei, sondern
VIER
Umstrukturierungen in der Abteilung (um die Änderungen in der
Managementhierarchie widerzuspiegeln) in den vergangenen 18 Monaten
empfohlen
hat.
Nach nur zweistündiger Besprechung wurde beschlossen, daß wir die Pflanzen
mieten, denn dann wäre ja der Vermieter dafür verantwortlich, sie zu gießen
und zu
pflegen. (Als ob der Geschmack des Tees und des Kaffees aus den Automaten
nicht
ohnehin dafür sorgen würde.)
Und nach diesen zwei Stunden ging es eine weitere halbe Stunde lang darum,
was
mit den schon vorhandenen Pflanzen passieren soll, die in dem Gebäude
stehen,
seitdem es eröffnet wurde - in den oberen Etagen sind einige schon so groß,
daß sie
nicht mehr aus dem Gebäude transportiert werden können. Und da kam als
kleinerer
Geistesblitz der Müllzerkleinerer ins Spiel. Die Planungen sehen vor, eine
Zerkleinerungsmaschine zu mieten, sie mit dem Lift nach oben zu befördern
und vor
Ort eine Art organische Entsorgung durchzuführen.
Zu diesem Zeitpunkt sehnte ich mich nach dem Netzwerk. Die Dinge waren so
simpel - ein Nutzer ruft an mit einem Problem, das zuerst natürlich durch
ihn
verursacht wurde, ich quäle ihn dafür ein wenig und beseitige das Problem
dann auf
bequeme Weise. Einfach. Effektiv. Schnell. Ich brauche Hilfe, also wende ich
mich
an jemanden, der den nötigen Verstand hat.
Den Ex-Chef. Der Ex-Chef ist ein verwandelter Mensch. Er behandelt die
Nutzer
mit der typischen Geringschätzung eines Netzwerk-Profis, der die
allgegenwärtige
Frage, warum das Netzwerk nicht funktioniert, einmal zuviel gehört hat. Er
hat
gesehen, was wir sahen, er weiß, was wir wissen.
Er IST ein Bastard! Ich finde ihn im Raum mit der Telefonanlage, wo er
Wechselstrom mit 240 Volt durch die Telefonleitungen schickt, um die
Telefone
bestimmter Nutzer zu grillen. Ich erkläre ihm mein Problem, und er hört mir
aufmerksam zu.
"Es gibt nichts, was sie tun können", antwortet er. "Sie müssen es einfach
mitmachen. Halten sie den Kopf unten, mucken sie nicht auf, denn sonst
werden sie
wieder eine Umstrukturierung ihrer Abteilung vorschlagen."
Ein Gedanke kommt mir. "Wollen sie ihre alte Position zurückhaben?" frage
ich.
"Niemals!" antwortet er sofort. "Ach, kommen sie", flehe ich (da ich ein
Manager
bin, ist das nicht unter meiner Würde).
"Das wird nicht billig", sagt er. DIESER BASTARD! Ich hätte ihn besser
niemals
eingestellt.
"Wieviel?"
Er nennt eine erpresserisch hohe Summe mit einem Klang seiner Stimme, der
Verhandlungen ausschließt.
Traurigerweise unterzeichne ich einen >Heul!< Barscheck >Jammer!< über die
Summe, die er verlangt. Er verschwindet damit, um ihn einzulösen, nachdem er
mir
einen weiteren guten Rat gegeben hat.
Die Ankunft des großen Abfallzerkleinerers ist ganz offensichtlich eine
Möglichkeit,
um auf einem Firmenfoto zu erscheinen, die sich keiner meiner
Manager-´Kollegen´
entgehen lassen will - eine weiteres Merkmal der Firmenpolitik.
Natürlich nehme auch ich an dem Ereignis teil und sehe mich mit paar "In
Ordnung,
zeigen sie jetzt auf den Zerkleinerer. Und nun noch ein Bild, auf dem sie in
den
Abfallschacht schauen"-Aufforderungen konfrontiert.
Als alle Fotos gemacht wurden, setze ich mich zum Chef des Aufsichtsrates
und
schlage ihm vor, daß es doch eine gute Idee wäre, wenn er auf einem Foto
auftauchte, wenn gerade Holz zerkleinert wird. Ich klopfe auf einen
Plastiksack, der
mit einem Geräusch antwortet, als klopfte ich auf Holz.
Der Aufsichtsratschef lächelt. Wir warten, bis alle gegangen sind, dann
bereiten die
Fotografen alles vor, denn wenn die Maschine erst einmal läuft, werden
bestimmt
auch die anderen Manager zurückkommen, die die Chance auf ein weiteres Foto
wittern. Der Chef des Aufsichtsrates muß sich also beeilen.
Er baut sich auf, ich starte die Maschine und leere den Sack.
Um fair zu bleiben, muß ich sagen, daß er die Verwandlung seiner
Segeltrophäen in
Staub mit Fassung trägt - er entläßt mich nur aus meiner derzeitigen
Managerposition.
Einen Tag später erreicht mich zuhause ein Anruf des ehemaligen Ex-Chefs,
der
jetzt wieder der Chef ist, der mir eine Arbeit bei einem sehr überzeugendem
Lohn
anbietet.
Natürlich akzeptiere ich. Die neue Arbeit ist GROSSARTIG. Der Chef ist dank
seiner neuen Erfahrungen recht annehmbar. Das Leben könnte kaum besser
werden.
"KOMMEN SIE SCHNELL!" schreit der PJ, als er in das Büro stürmt.
"Es ist der Chef! Er hat sich auf der Management-Beratung eingeschlossen!
Dann
hat er die Sekretärin aufgefordert, ihm seine Axt zu bringen, und jetzt
hören wir nur
noch die Geräusche des Müllzerkleinerers!" Mistkerl.
Ich wußte, daß es zu schön war, um wahr zu sein ...
Nicht nur der Duft von Napalm am
Morgen, sondern auch ein durchgebrannter Server
stellt einen guten Tagesbeginn dar ...
Nach einer harten Nacht im Pub komme ich zur Arbeit. Meine Sinne sind
noch wach
genug, um den Brandgeruch richtig zu deuten, der aus dem Computerraum kommt.
Dieser Geruch und die Jacke des PJs auf der Lehne seines Sessels lassen nur
einen
Schluß zu. Er will eine weitere Lohnerhöhung.
Und die ist mehr als überfällig, wenn ich bedenke, daß die letzte
Lohnerhöhung schon
sechs Wochen zurückliegt. Doch die Personalabteilung zeigt mit den Daumen
nach
unten.
Der PJ kommt aus dem Computerraum und bringt einen Feuerlöscher und etwas,
das
wie ein wichtiger Teil des Kühlsystems des Servers der Personalabteilung
aussieht,
mit. Gemäß seiner Ausbildung strebt er sein Ziel mit ganzem Einsatz an und
rammt
jedem, der sich ihm dabei in den Weg stellt, die Faust in den Bauch.
"Guter Junge", denke ich mit stolzgeschwellter Brust.
Ich bereite mich auf den unausweichlichen Anruf vor. Momente später klingelt
auch
schon das Telefon. Die Rufnummernidentifikation zeigt, daß mein ´Kunde´
niemand
anders ist, als der Vizechef der Personalabteilung, eine Person, mit der ich
mehr als
nur einen Zweikampf ausgetragen habe.
"Was zum Teufel ist mit unserem Server passiert?"
"Nun, ich bin mir noch nicht ganz sich, aber ich glaube, er litt unter
Überhitzung ..."
"Sie haben unseren Server in Brand gesteckt?" schreit er.
"Nein, natürlich nicht. Das ist ein häufiger Fehler - wenn die Maschinen
älter
werden, kann der Staub im Gerät zur Selbstentzündung führen, weil ..."
"Das verdammte Ding ist erst drei Wochen alt!"
"Hmmm, sowas kommt manchmal vor. Sie können doch nicht erwarten, daß der PJ
ihren Server rund um die Uhr bewacht - bei dem Hungerlohn, den sie ihm
zahlen."
erwidere ich.
"Das ist es! Wir werden uns ein eigenes System beschaffen", schreit er und
schmeißt den Hörer auf die Gabel.
Ein paar Tage später sind meine Befürchtungen Realität, denn ein neuer
Server
taucht in der Personalabteilung auf. Er ist komplett eingerichtet, so daß
ich keinen
Zugriff auf ihn bekomme. Der Chef erkennt natürlich nicht den ganzen Umfang
des
Problems - wenn die Abteilungen alle eigene Server kaufen, ist es
wahrscheinlich,
daß sie einen kleinen Unterschied zwischen dem, was sie uns in der
Vergangenheit
für die Anschaffung von Servern zahlten, und dem, was die Server wirklich
kosten,
bemerken. Ein kleiner Unterschied von etwa 200 Prozent.
Ich lasse den Dingen ihren Lauf - nach einer ´göttlichen´ Einmischung durch
den PJ
und mich. Und natürlich ruft am nächsten Tag der Chef der Personalabteilung
an - die Freundlichkeit in Person.
"Hallo", schnurrt er.
"Hallo."
"Wir haben ein wenig Ärger mit unserem Server und fragen uns, ob sie uns
einen Rat
geben könnten."
"Wo liegt das Problem?"
"Nun, wir wollen alle Dateien in einem Verzeichnis mit ihrem
Erstellungsdatum
anzeigen lassen." antwortet er.
Aha, das ist eindeutig eine Falle. Offensichtlich will er mich testen, ob
mein Rat gut
oder schlecht ist, wobei er sein sehr beschränktes Wissen als Maßstab nimmt.
"Kein Problem", sage ich. "Geben sie einfach ´ls -l´ ein. Wollen sie die
Ausgabe
seitenweise sehen?"
"Oh, natürlich", antwortet er und erwartet das allgegenwärtige ´rm´ als
Antwort.
"Geben sie einfach noch ´| more´ ein."
"Oh." Er ist offensichtlich unzufrieden, da er mich nicht dabei ertappte,
daß ich ihm
einen falschen Rat gab. In seiner Naivität entscheidet er sich dazu, mir zu
vertrauen ... "Wir haben noch ein anderes Problem. Wir hatten
Schwierigkeiten mit
unserem System. Die Antwortzeiten waren viel zu hoch."
Was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, daß der PJ dafür gesorgt hat, daß die
Ping-Anfragen etwa 30 Prozent ihrer Netzwerkbandbreite ausmachen.
"Ich frage mich, ob sie mir etwas empfehlen können, damit wir das System
wieder
beschleunigen können?"
"Nein, nicht wirklich. Die neueren Rechner werden eigentlich ordentlich
konfiguriert
ausgeliefert. Oh! Warten sie! Ich wette, sie haben die
Speicher-Expansions-Routine
noch nicht aktualisiert, oder?"
"Ahhh ... nein, nein, ich glaube nicht." murmelt er und versucht,
nichtvorhandenes
Fachwissen vorzugaukeln.
"Na gut, dann sollten sie das am besten gleich tun."
"Gute Idee. Frischen sie mein Gedächtnis auf - wie ging das doch gleich?"
"Das wissen sie doch", antworte ich hilfsbereit. "Echo
´MEMORY-EXPANSION´ > /dev/kmem - das ist normalerweise der erste Eintrag
in /etc/inittab."
"Oh, natürlich. Ich glaube, ich habe den Eintrag bei der Feinabstimmung
gelöscht",
antwortet er mit gespaltener Zunge.
Eine Viertelstunde später ist er wieder am Telefon. Diesmal noch erregter
...
"Der verdammte Server läuft noch immer nicht!" jammert er panisch. "Er
startet nicht
einmal mehr!"
"Nun, ich schätze, wir könnten uns die Sache einmal anschauen. Wie lautet
ihr
Root-Passwort?"
Nach einem kurzen Augenblick des Zweifels stößt er "MEHRGELD" hervor.
Schnell
wie ein Blitz prüfen der PJ und ich das Passwort auf ihren anderen Rechnern.
Trefferquote: hoch.
Einen Tag später ist der Server der Personalabteilung wieder unter unserer
Kontrolle,
der Vizechef der Abteilung wurde in die Schranken gewiesen und der PJ sitzt
zufrieden im gutgepolsterten Sattel eines soeben beförderten Mitarbeiters.
Er ist sogar so zufrieden, daß er dem Personalchef sagen will, was in ihrem
Wasserspender wirklich ist. Ich überrede ihn dazu, diese Angelegenheit für
eine
spätere Gelegenheit aufzusparen ...
Es ist Besuchszeit, und der B.O.F.H.
geht hin, um, ähm, Informationen über die
neueste Technik zu sammeln ...
"Ich schätze, es ist Zeit, daß wir uns nach neuer Technik umsehen."
Ich kann nicht glauben, was ich höre. Der Chef kauft neue Technik ungefähr
so
häufig, wie Margret Thatcher für die Labour-Partei stimmt. Es war damals
seine
Idee, auf die Pentium-Rechner zu verzichten und eine Menge alter XTs
anzuschaffen, die er sehr billig bekommen konnte. Zum Glück hörte ich noch
rechtzeitig von diesem Plan, so daß ich ´zufällig´ dem Geschäftsführer eine
Notiz
zuspielen konnte, in der stand, daß der Lieferant ein Cousin des Chefs ist,
so daß
dieser Plan aufgegeben wurde - ich konnte nicht glauben, daß der Chef meinen
Anteil
vergessen hatte.
Wie auch immer, seitdem der Chef an unserem Service-Telefon saß, ist er ein
neuer
Mensch. Sein Geist ist immer offen für neue Möglichkeiten ...
"Es gibt ein Forschungslabor, das einen Tag der offenen Tür veranstaltet",
erklärt er.
"Ich denke, sie sollten sich einmal umsehen, was es für Neuigkeiten gibt."
Früher hätte er wohl gesagt: "stehlen sie, was neu ist" - doch seit seiner
jüngsten
Bastardisierung ist das eine Selbstverständlichkeit, die nicht mehr extra
erwähnt
werden muß.
Ein paar Tage später sitzen der PJ und ich zu einer unmenschlich frühen
Stunde in
einem Zug, der durch die Landschaft tuckert. Natürlich haben wir unsere
bewährten
Aktentaschen mit den doppelten Böden dabei.
Schließlich landen wir in einem Dschungel aus Forschungslabors und mitten in
der
Show. Unser Schicksal läßt uns zunächst an einer Vorbereitungstour,
Entschuldigung, an einer geführten Besichtigung teilnehmen, bevor wir von
der Leine
gelassen werden und unseren eigenen Vorlieben nachgehen können. Die Tour ist
langweilig, doch immerhin ist unser Führer so dumm, daß er nicht sieht, was
wir
anstellen. Schließlich werden wir uns selbst überlassen - mit ein paar ihrer
Sachen,
die nicht am Boden festgeschraubt waren.
Es ist interessant, all die herumliegenden Spielzeuge zu sehen, doch meine
Aufmerksamkeit wird von den Sicherheitsleuten angezogen, die um die Räume
herumlungern, in denen die Apparate, die wirklich teuer sind, besichtigt
werden
können.
Im ersten Raum scheint es um Telearbeit zu gehen, für die ich mich
interessiere,
seitdem der Chef eine Standleitung zu meiner Wohnung gelegt hat.
"Nun, erzählen sie mir mal etwas über Telearbeit", sage ich begeistert zu
dem jungen
Anzug am ISDN-Werbestand.
"Dieses Gerät kann sie mit dem Netzwerk ihrer Firma verbinden. Dabei merken
sie
gar nicht, daß sie ISDN nutzen. Alle Netzwerkprotokolle werden unterstützt,
so daß
es aussieht, als seien sie direkt mit dem LAN verbunden." erklärt er mit
glänzenden
Augen.
"Sieht aus wie ein ISDN-Router."
"Ähm ... ja, so ist es. Aber er hat ein hübsches blaues Gehäuse und
blinkende
Leuchtdioden."
Ich betrachte das Gehäuse verächtlich - nein, daran verschwende ich keinen
Gedanken.
"Haben sie sonst noch etwas Interessantes anzubieten?"
"Nun, wir haben einen Router auf einer PCMCIA-Karte."
"Wieso?"
"Damit sie ihren Laptop mit dem Netzwerk über einen Router statt per Modem
verbinden können."
"Wieso?"
"Damit müssen sie keinen Modem-Einwählserver zusätzlich zu ihren Routern
installieren."
"Natürlich. Statt eines preiswerten Modem-Servers sollen wir einen teuren
Router
benutzen. Wie ökonomisch."
Meine Gedanken werden durch einen Stoß des PJs unterbrochen. "Sie haben ein
Sicherheitssystem hier, das wie bei uns über die Iris des Auges die Nutzer
identifiziert."
"Nicht ganz - unser System schädigt das Augengewebe nicht dauerhaft und ist
auch
nicht mit dem Sprinklersystem verbunden."
Er muß noch soviel lernen ...
Das Mittagessen ist besser als erwartet, hauptsächlich deshalb, weil wir
nicht die
Kantine benutzen, sondern den VIP-Bereich. Es dauerte nur ein paar Momente,
den
Leser für die Identitätskarten zu ´reparieren´, damit er unsere Karten
richtig liest.
Echte VIPs beim Versuch zu beobachten, sich Zugang zum VIP-Bereich zu
verschaffen, ist eine interessante Mittagsunterhaltung ...
Angenehm gestärkt durch Chateaubriand und einen recht edlen Rotwein sind wir
bereit, den Rest der Ausstellung in Angriff zu nehmen. Das Gewicht meiner
Tasche
wird durch eine Flasche eines hervorragenden Cognacs erhöht, die achtlos auf
dem
Spirituosen-Regal herumstand.
Unser Vorankommen wird durch einen der Sicherheitsleute unterbrochen.
Während
er uns lang und breit mitteilt, warum wir warten müssen, bevor wir Zugang zu
den
guten Sachen bekommen, verschwindet der PJ wie ein Schatten.
Sektion Sechs wird lange vor der geplanten Zeit plötzlich geöffnet, wo wir
diesen
wunderbaren optischen Speicher sehen, der offenbar ohne eigene
Stromversorgung
arbeitet.
"... wie sie sehen können, gibt es keine Kabelverbindung zur Stromversorgung
mit der
Basisstation", leiert der Langweiler herunter und versucht offensichtlich,
die
Aufmerksamkeit auf den Video-Datenstrom zu lenken, der auf das angeblich
stromversorgungslose Gerät übertragen wird. "Und hier können sie eine
Aussparung
in der Datenleitung sehen. Wenn ich nun diese Karte in die Aussparung
stecke, wird
der Datenstrom unterbrochen, damit sie sehen, daß wir die Wahrheit sagen."
Er
plaziert die Karte in der Aussparung und dreht sich mit selbstgefälligem
Grinsen zum
Monitor, um auf ein Standbild zu deuten. Sein Gesichtsausdruck verändert
sich
plötzlich, und er sieht nun wie jemand aus, der einen Wasserbüffel in seinem
Jakusi
entdeckt.
"Debbie macht es in Dalles. Ein netter Einfall", gratuliere ich dem PJ.
Zeit zum Verschwinden ...
Wir haben die Hälfte des Weges zum nächsten Pub zurückgelegt, als die Hölle
losbricht. Sirenen, Feuerwehren, flüchtende Menschen - der ganze Krims-krams.
Die Verwirrung des PJs ist direkt proportional zu meiner Zufriedenheit, als
ich mich
an die Theke lehne.
"Ich setze fünf Pfund darauf, daß der Chef des amerikanischen Mutterkonzerns
sich
gerade einem Iris-Test unterziehen mußte", kommentiere ich und sehe, wie das
Wasser aus ihrem Eingang herausläuft ...
"Keine Chance", antwortet der PJ. "Noch ein Bier?"
Eine lustige Sache, diese neue Technologie ...
Dank des technischen Fortschritts geht der B.O.F.H. unter die Filmemacher ...
Die Leute in der Chefetage wollen wieder neue Spielzeuge haben. Weil der
Geschäftsführer einen Artikel über Video-Mail gelesen hat, ist er nun der
Meinung,
unserer Firma fehle etwas.
Natürlich bin ich über die immensen Möglichkeiten zur Anschaffung neuer
Technik
begeistert. Der Chefbuchhalter andererseits wirkte ziemlich besorgt, doch
schließlich verlangte er keinen Kostenvoranschlag mehr, der mit Blut
unterschrieben
ist. Natürlich war er es, der versuchte, mich aus dem Prozeß der
Technikbeschaffung
herauszuhalten. Offenbar wurde er mißtrauisch, als ich das Wrack, das ich
bis dahin
fuhr, seinem brandneuen BMW in den Weg stellte - nun, genaugenommen stand
der
BMW im Weg, doch Bewegung ist ja relativ.
Ich rufe unseren Netzwerklieferanten an, um die Wünsche des Geschäftsführers
zu
erfüllen.
"Hallo, Netzwerk Express."
"Mein Name ist Farquarson. Könnte ich mit Jon sprechen?"
"Bitte warten sie einen Moment."
>Click<
"Guten Morgen, Herr ... ähm ... Farquarson. Ist die Leitung sicher?"
"Ja, keine Lauscher. Guten Morgen, Jon. Ich brauche ein paar Server."
"Kein Problem. Mit welcher Last sollen sie klarkommen?"
"Eine Riesenlast. Wir wollen Video-Mail einsetzen. Sie wissen schon, sie
schreiben
auf ein Grafiktablett, eine Kamera zeichnet alles auf und übersetzt die
Worte in
Töne."
"Nett. Dual-Pentium Pro 200, würde ich sagen?"
"Ähm ... für die Kosten muß ich mich nicht verantworten."
"Oh, gut! Dann wollen sie bestimmt, acht, zehn oder zwölf Prozessoren?"
"Zwölf sind in Ordnung. Und natürlich auch eine Menge Speicherplatz."
"40 GigaByte pro Server?"
"Wie bitte?"
"Ups, ich habe wohl eine Null übersehen."
"Gut. Ein halbes Gigabyte RAM müßte auch ausreichen - wir wollen ja nicht
übertreiben. Wie hoch wäre der Schaden?"
"Hmmm ... Der Listenpreis liegt bei 62.995 Pfund pro Server."
"Und nach dem Erbsenzähler-Rabatt?"
"124.999 Pfund. Die Steuern kämen natürlich noch dazu. Ich nehme an, ihr
Anteil soll
auf das übliche Konto überwiesen werden?"
Pünktlich werden zwei Kisten geliefert. Der PJ hat die Server schnell
installiert und
schwirrt umher, um ein paar Dutzend Video-Mail-Tabletts, die wir in der
vergangenen Woche in den Leitungsetagen verstreut haben, an das Netz
anzuschließen.
Wir kehren zurück in unsere Netzwerk-Zentrale, wo der PJ gleich nach einer
Quake-Sitzung die Konsole für das Video-Mail-System startet. Eine kurze
E-Mail
informiert den Administrator-Assistenten in unserem anderen Büro, bringt die
Manager aus anderen Niederlassungen an ihre Rechner, und bald sehen wir auf
der
Kontroll-Konsole die Worte durch das WAN fliegen. Zufrieden lehne ich mich
für
einen Moment zurück und versuche, in die Haut eines psychopathischen Mörders
zu
schlüpfen, unglücklicherweise natürlich nur in einer virtuellen Welt.
"Sie haben das System offenbar begriffen - ich glaube, sie konkurrieren nun
darum,
wer die längste Video-Mail mit den meisten komplizierten Worten
zusammenbauen
kann." kommentiert der PJ, sorgfältig hinter der Mauer versteckt.
"Nun", antworte ich. "Sie sind Kinder mit neuem Spielzeug. Hoffentlich haben
wir
bald genug Material." sinniere ich.
"Material?"
"Oh, machen sie sich darüber keine Sorgen."
>BAMBAMBAMBAMBAM<
"Ha! Stirb, Trottel!"
Nach dem kurzen einstündigen Mittagessen kehren wir zurück. Ich inspiziere
das
Video-Mail-System und bin ziemlich überrascht, daß sie es geschafft haben,
40
Prozent des Festplattenplatzes in so kurzer Zeit zu verbrauchen. Doch da
alles
einem guten Zweck dient, stört mich das nicht weiter. Ich starte mein gutes
altes
Premiere und suche mir ein paar Dateien aus.
"Was haben sie vor?" fragt der PJ.
"Ich mache einen Film. Nach was sieht es denn ihrer Ansicht nach aus?"
"Einen Film? Worüber?"
"Über unseren Geschäftsführer. Ziemlich loyal, oder?"
"Sehr. Genau das macht mir Sorgen."
Es dauert eine Weile, bis ich mich wieder an die Bedienung des Programmes
gewöhnt habe, doch bald sind die Video-Schnipsel hübsch zusammengeschnitten.
Der PJ wirkt noch immer verwirrt und sucht das Weite, um irgendeinen Server
in der
Hoffnung abzuschießen, daß damit sein Geist etwas beruhigt wird. Eine Stunde
später transferiert er die letzten Bits in den digitalen Mülleimer, während
ich mich
zufrieden zurücklehne.
Der PJ bemerkt mein befriedigtes Lächeln und kommt zu mir. Er wirft einen
Blick auf
den Notizzettel, auf dem ich ein paar Sätze aufgeschrieben habe.
"Jährliche Nachtwanderung mit Lagerfeuer ... Finanzdirektor ... Gerüchte
besagen ... Wachschutz ... Tonstörungen ... Ziegenkäse als Vorspeise ....
Was hat
das zu bedeuten?" fragt er.
"Warten sie einfach ab. Das Telefon müßte gleich klingeln ... JETZT."
Er zuckt zusammen, als das Telefon klingelt.
"Hallo, Nutzerbetreuung hier. Wessen Zugangskonto wollen sie sofort gelöscht
haben? Aber ist er nicht der Finanzchef? Okay, okay, ich will mich nicht mit
ihnen
streiten, ich bin nur überrascht, denn ich dachte, er sei auf Ewigkeiten mit
der
Schwester des Geschäftsführers verheiratet. Wer hat ihnen den Auftrag
gegeben?
Was, der Geschäftsführer höchstpersönlich? In einer Video-Mail ... wie
passend."
Der PJ verabschiedet sich von unserem Administrator-Assistenten am anderen
Ende, der selbstverständlich auch mit einer gewissen Prozentrate beteiligt
wird und
daher verschwiegen ist, und mustert mich neugierig.
"Haben sie etwas dagegen, mir den Film einmal vorzuführen?"
"Natürlich nicht."
Ich betätige den Abspielbutton, worauf der PJ den Geschäftsführer sieht, der
den
restlichen Managern mitteilt, daß einige der seltsamen Gewohnheiten des
Finanzchefs nicht zur Firmenpolitik passen und er deshalb leider
verabschiedet
werden muß. Dann folgen in verschiedenen Varianten noch die Anweisungen an
die
Administratoren, die sich mit Sicherheitsfragen und logistischen Problemen
dieser
Personalentsorgung befassen. Und selbstverständlich wird auch der Anruf bei
der
Polizei nicht vergessen. Natürlich hätte die reine Stimmaufzeichnung
niemanden
befriedigt, doch nun kann man den Geschäftsführer dabei auch sehen. Und wir
alle
wissen, daß man Video-Mails nicht fälschen kann - oder?
Der PJ ist nicht mehr er selbst. Aber er muß ja auch einen Schleimer erdulden ....
Manchmal kann ich das Offensichtliche ja ignorieren, doch der PJ zeigt
alle
Symptone einer sehr tiefen Enttäuschung. Und natürlich beantwortet er Fragen
nach
deren Ursache nicht.
Seine Arbeit leidet merklich darunter - gestern ertappte ich ihn dabei, wie
er den
Papierschacht in einem Faxgerät neu auffüllte, nachdem ein Nutzer ihn
angerufen
hatte. Die Protokolldateien mit den Passwortänderungen zeigen, daß er
tatsächlich
Nutzern geholfen hat, die ihre Passwörter vergessen hatten, indem er sie
abänderte
zu Worten wie ´temporär´ und ´änderemich´, statt die üblichen ´hirnloseridiot´
oder
´wiekannmannursodummsein´ zu verwenden.
Das schlimmste Anzeichen ist, daß er wirklich eine komplette Festplatte aus
einer
Sicherheitskopie wiederherstellte, nachdem ein Nutzer sie unbeabsichtigt
gelöscht
hatte.
Bei einem ernsthaften Gespräch stelle ich ihn und erfahre so die Wahrheit.
Es scheint so, als hätte seine Verwandtschaft in der Firmenleitung ihm einen
neu
eingestellten Internet-Berater vorgezogen, der so aalglatt ist, daß der
Einsatz von
Streusand angebracht zu sein scheint. Natürlich habe ich die Zeichen
gesehen, doch
ich dachte, der PJ hätte mehr Mut, sich den Herausforderungen zu stellen.
Nun, es
gibt offenbar noch Aufgaben, die den echten Profis vorbehalten bleiben.
Natürlich kämpft der PJ mit einem Interessenkonflikt, denn wir wurden von
oben
aufgefordert, Mr. Schleimer bei der Durchsetzung seiner ´politisch korrekten
Richtlinien zur Internet-Nutzung´ zu unterstützen - ein kaum verschleierter
Versuch
des Chefs, all jene zu bestrafen, die ihre Arbeitszeit dazu nutzen, die
geheimsten
Porno-Seiten zu finden.
Ich versuche die Depression des PJ durch etwas Ablenkung zu lindern ...
"Haben sie Lust auf einen Besuch im Labor von Dr. Bastard?" frage ich und
enthülle
meine neueste Erfindung.
"Das ist eine Maus." antwortet der PJ lustlos.
"Aber nicht irgendeine Maus", antworte ich. "Es ist eine ferngesteuerte
Maus, sehen
sie?"
Ich spiele mit den Pfeiltasten meines persönlichen Des-Organizers, der über
eine
Infrarot-Schnittstelle verfügt. Die Maus bewegt sich entsprechend.
"Nett", kommentiert der PJ unbeeindruckt.
"Und wie wäre es damit?" frage ich und deute auf ein soeben modifiziertes
Büro-Utensil.
"Ein Aktenkoffer?"
"Ja, ja - aber mit einer zusätzlichen Erweiterung", antworte ich. "Bringen
sie ihn
her."
Er nimmt ihn, hat etwas mit dem unerwarteten Gewicht zu kämpfen und kommt zu
meinem Tisch.
Ein Tastendruck auf meinem Des-Organizer läßt das Schloß aufspringen und ein
paar Ziegel herausfallen, die auf den Füßen des PJs landen. Manchmal muß man
wirklich grausam sein, um freundlich zu sein.
"Warum zum Teufel haben sie das gemacht?" schreit der PJ.
"Ausbildung." antworte ich. "Sie litten offensichtlich unter der
irrtümlichen Annahme,
daß das Leben fair sei. Das ist es nicht. Deshalb handeln befähigte Menschen
wie
sie und ich so, wie wir es tun."
"Ich verstehe sie nicht."
Müde erkläre ich es ihm. "Stellen sie sich vor, sie wären ein
Internet-Berater, der
einen ganzen Tag lang der harten und ermüdenden Arbeit nachging, seinen
Bürostuhl
zu wärmen. Und nun betreten sie die U-Bahn mit der Aktentasche - voller
Hausaufgaben, die sich nur darum drehen, wie sie die Netzwerk-Zentrale
verärgern
können. Und dann springt die Aktentasche plötzlich auf und verstreut ihren
Inhalt auf
die Gleise."
"Also nimmt er heute die U-Bahn, um nach Hause zu kommen?" erwidert der PJ.
"Keine Ahnung. Ich wollte hier nur die Möglichkeiten beschreiben. Und wo ich
gerade bei Möglichkeiten bin - ich sehe keine Möglichkeit, daß wir uns vor
der
Teilnahme an seinem Internet-Bericht am heutigen Nachmittag drücken können."
Der PJ, beinahe gerettet, verfällt wieder in Pseudo-Depressionen.
Also wird es Zeit für einen Notfallplan, den ich mir eigentlich für eine
andere
Gelegenheit aufheben wollte.
Einen kurzen Besuch im Land der Netzwerkprotokolle später wird der
Feueralarm
durch eine nicht lokalisierbare Rauchmeldung ausgelöst.
Am späten Nachmittag erscheinen wir dann im Beratungszimmer der
Firmenleitung,
um den Internet-Empfehlungen des Schleimmonsters zu lauschen. Die
Anwesenheit
seines ehemaligen Verwandten hebt die Stimmung des PJs kaum.
Der Schleimer beginnt seine Offensive, indem er den ´besorgten mordernen
Mann´
spielt, der überall Gefahren wittert, während er gleichzeitig die Bedeutung
der
´unvoreingenommenen Netzwerk-Menschen´ herunterspielt, die ich in den vielen
Jahren als Eckpfeiler meines Wirkens betrachtet habe. Innerhalb weniger
Minuten
hat er die Zuhörer soweit, daß sie ihm aus der Hand fressen, als er seinen
Plan für
ein isoliertes Netzwerk darlegt, während sein Laptop ein Diagramm nach dem
anderen liefert, um seine Intranet-Ideen zu untermauern.
Der Chef grinst zufrieden, da sich die Dinge nach seinen Vorstellungen
entwickeln.
"Ich denke, sie wissen was zu tun ist." flüstere ich dem PJ zu.
Er blickt ungerührt auf meinen Des-Organizer, den ich zu ihm schiebe.
"Vielleicht findet sich etwas auf seiner Festplatte?" ermutige ich ihn.
Tief in ihm drin erwachen seine Lebensgeister, schöpfen neuen Mut und
kämpfen
gegen die Depressionen.
Eine halbe Stunde später schlucke ich mit dem PJ ein Bier, der seiner
Verwandtschaft schon vergeben und die Bevorzugung des anderen vergessen hat.
Der Schock und das Entsetzen, das auf die Anzeige einiger Aufnahmen aus der
Damentoilette folgte, hat die Glaubwürdigkeit unseres Internet-Beraters
nicht
gerade erhöht - und seinen raketengleichen Abgang erfolgreich beschleunigt.
Aber
es diente einer guten Sache.
"Noch ein Bier?" will der PJ wissen.
"Nun, ich habe noch etwas vor. Ich muß dem Chef noch die Gefahren aufzeigen,
die
davon ausgehen, daß er seine Schlüssel blind einer Aktentasche anvertraute,
die ihm
anonym zugespielt wurde."
Wie sagt man so schön, das eigene Erleben ist der beste Lehrmeister ...
Die Nadelstreifen-Brigade hat nur Geld im Kopf und will nicht nachgeben ...
Es hat mich schon immer gestört, daß die Erbsenzähler ihr eigenes
Netzwerk
betreiben dürfen, auf das wir keinen Zugriff haben.
Der Nadelstreifen-Brigade wurde es vor einiger Zeit gestattet, auf unsere
Dienste
verzichten zu dürfen. Und so sehr wir uns in der Zwischenzeit auch bemühten,
sie
auf den rechten Weg zurückzubringen, es gab immer wieder einige Rebellen,
die
dafür sorgten, daß sie wenigstens die Kontrolle über die wichtigsten Systeme
in ihrer
Etage behielten.
Dieses Verhalten kann ich gar nicht verstehen. Wir haben uns monatelang mit
aller
Kraft bemüht, für sie da zu sein, haben in endlosen Stunden ihre Notebooks
dauergetestet etc. Die Sache mit dem Amboß war wirklich ein unglücklicher
Zufall,
und wir haben noch immer nicht herausgefunden, wieso die Transaktionen mit
dem
örtlichen Wettbüro als einzelner Posten in ihrem Jahresbericht auftauchen
konnten.
Aber ich bin sicher, daß dies nicht durch uns veranlaßt wurde.
Trotz unserer gewaltigen Bemühungen beharren die Erbsenzähler noch immer
darauf,
daß sie ihre eigene Technik-Abteilung brauchen. Schlimmer noch ist die
Tatsache,
daß sie ihre Technik-Abteilung als Waffe gegen uns gebrauchen wollen. Der
Mann,
den sie für die Betreuung des Netzwerkes angeheuert haben, hat eine seltsame
Einstellung gegenüber seinen Nutzern - er glaubt wirklich daran, daß seine
heilige
Aufgabe darin bestehe, ihnen zu helfen.
Gefährlich für uns ist auch die Tatsache, daß die Buchprüfer nun den realen
Wert der
Technik kennen, die wir in den vergangenen Jahren angeschafft haben. Es war
einige
Rennerei nötig, um dafür zu sorgen, daß der Geschäftsführer nicht erfährt,
daß die
elekto-magnetischen Multiplex-Kommunikationsgeräte, für die wir eine
Rechnung
über 1.200 Pfund präsentierten, nichts anderes waren als schnurlose
Telefone, die
ein Freund des PJs zu Niedrigstpreisen in einem Elektroladen verschleuderte.
Es ist offensichtlich, daß wir die Erbsenzähler wieder unter unsere
Kontrolle bringen
müssen. Wir vermissen nicht nur die ´Bonus´-Zahlungen unserer Zulieferer, es
geht
auch das Gerücht, daß andere Abteilungen sich ernsthafte Gedanken über
unseren
Service machen.
Zum Glück neigt unser Chef zur Bösartigkeit, seitdem er an unserem Telefon
saß, so
daß wir von ihm Rückendeckung erhalten. Seitdem die Erbsenzähler ihm die
Rückerstattung für seine geschäftlichen Auslagen für den ´Was immer sie
wollen´-Begleitservice verweigerten, steht er auf unserer Seite.
Es hilft auch nichts, daß der Netzwerkmanager der Erbsenzähler zu den
irritierenden
Individuen gehört, die immer mit einem selbstgefälligen Grinsen herumlaufen.
Er
sieht aus, wie einer der Alligatoren, die man sieht, wenn man die
Sumpfgebiete
besucht. Allerdings hat sein Gesicht eine etwas andere Färbung ...
Er bewacht eifersüchtig sein Territorium, was an sich schon eine
Herausforderung
darstellt.
"Ihr Netzwerk ist ja schon wieder zusammengebrochen", sinniert er, als er an
uns
vorbeigeht.
Während eines Updates brach das Netzwerk plötzlich zusammen - gerade als das
große Rennen beginnen sollte. "Es ist bemerkenswert, daß die Mitarbeiter
immer
dann vom Arbeiten im Netz abgehalten werden, wenn große Rennen oder
Fußballspiele stattfinden, nicht wahr?" grinst er hintergründig.
"Ja, wir haben eine Menge Schwierigkeiten mit Engpässen", höre ich mich
sagen,
bevor ich h